So ging es 1932 los: Mickey schmeichelt sich mit Blumen bei Minnie ein.

Wer wirklich hinter Disneys Trick-Universum steckt

Tegernsee - Walt Disney, der Schöpfer von Donald Duck und Mickey Mouse, ist der Inbegriff des US-amerikanischen Erfolgstraumes. Wer allerdings wirklich hinter dem Entenhausen-Universum steckt, durfte man lange nicht wissen.

Der „Mouse Man“: Floyd Gottfredson arbeitete 46 Jahre lang beim Disney-Konzern und schuf rund 15 000 Comic-Strips

Das war wieder richtig fies von Donald Duck. Nur gut, dass Mickey Mouse ein Gentleman ist, so kommt die Welt wieder in Ordnung. Fast 80 Jahre lang prägten die beiden Zeichentrickfiguren die Werte einer Nation. Ihr Schöpfer, Walt Disney, ist der Inbegriff des US-amerikanischen Erfolgstraumes. Und des modernen Markenmarketings. Wer allerdings wirklich hinter dem Entenhausen-Universum steckt, durfte man lange nicht wissen. Die Zeichner der ersten Stunde sind nun aus ihrem Schattendasein hervorgetreten: 250 Arbeiten von 1932 bis 1995 erzählen im Tegernseer Gulbransson-Museum von Erfindergeist und der Entwicklung des Comics.

Gleich mehrere „Kinder“ hat Al Taliaferro: Er konfrontierte Donald Duck mit seinen Neffen Tick, Trick und Track.

Begeben wir uns in eine Zeit, als Donald Duck noch einen langen spitzen Schnabel hatte und Mickey Mouse als tapferes Schneiderlein fungierte. Hier experimentierte man mit den Gesichtsausdrücken der Figuren, verpasste ihnen menschliche Züge und entwarf Standards sowohl zur Wiedererkennung wie zur Stimmungslage. Hatte später Dagobert Duck den Hut nach hinten geschoben, war er fröhlich. Nach vorne hieß: Achtung, grimmig! Anhand einer immensen Vielzahl von Zeichnungen kann man die Entwicklung der Figuren über die Jahre hinweg miterleben. Und das im Wortsinn: Olaf Gulbranssons Enkel Jan, Comic-Zeichner beim Ehapa-Verlag, gestaltet Workshops im Tegernseer Museum.

„Was soll das ganze Gezeter um Copyright-Enten“

Schon 1926 gab Walt Disney das Zeichnen auf und verpflichtete dafür andere Talente. Aus dem Ersatz-Zeichner Floyd Gottfredson wird 1930 einer der wichtigsten Mickey-Mouse-Väter. 46 Jahre beim Konzern, 15.000 Comic-Strips sowie die Erweiterung der Trickfamilie um Pluto und Klarabella folgen. Der „Mouse Man“ macht Mickey zum zuerst aufmüpfigen, dann allerdings rundlich-braven Biedermann. Gegenpol dazu ist Donald Duck: Al Taliaferro verändert eine charakterlose Ente in eine freche, manchmal auch boshafte Kultfigur, gesellt seine drei Neffen dazu und betreut seine Trickfamilie mit fast 11.000 Strips und 2100 Sonntagsseiten der Zeitung fast 40 Jahre lang.

Eine freche, auch boshafte Kultfigur wurde Donald dank seines Zeichners Al Taliaferro.

Bleistift-Vorlagen zeigen die ersten, erstaunlich ausformulierten und treffsicheren Entwürfe: eine Rarität heute, damals als Skizze ein Abfallprodukt. Erst für die mit Hilfe von eigenen Tuschezeichnern und Koloristen fertiggestellte Farbfassung galt das Urheberrecht. Genau diesen Streit um die Rechte greift Carl Barks auf. „Was soll das ganze Gezeter um Copyright-Enten“, lässt er ironisch einen völlig gerupften Donald sagen – allerdings erst 1976, nachdem er seit 1935 bei Disney war, dann 1943 bis 1966 im Comic-Lizenzverlag ganz Entenhausen erfand und diesen Kosmos ab seiner Pensionierung 1966 auch selbstständig in Öl vermarktete. Sein Markenzeichen waren bis zu 30 Seiten lange Geschichten, die jeden Rahmen sprengten.

Vergleicht man die drei Zeichner, spürt man trotz aller Disney-Vorgaben auch die jeweilige Handschrift. Barks kehrte später zu den recht freizügigen Zeichnungen zurück, mit denen er sich bei Walt Disney einst beworben hatte. Nur sitzt diesmal Donald im Harem. Er, Mickey Mouse & Co. haben etwas Epochales geschafft: Zusammen mit Schneewittchen und Pinocchio sind sie ein Stück traditionelle Volkskultur geworden.

Von Freia Oliv

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