Telefonistin in Acapulco

- Die Mutter Deutsche, in den 30er-Jahren Tänzerin. Der Vater Mexikaner aus Chiapas und Musiker. Ihre Jugend in Acapulco, die Karriere dann - quer durch Brecht/Weill-Opern, Musicals, TV-Shows und Live-Konzerte - in Deutschland: Mit solcher Basis ist Olivia Molina bestens geeignet, Brücken zu schlagen zwischen den Kulturen. Seit 1980 geht sie einmal im Jahr auf Tournee mit "Weihnachtsliedern aus Lateinamerika". Am 18. Dezember gastiert sie mit ihrem Sextett in der Münchner St. Wolfgang-Kirche (Balanstraße).

<P>Die Fan-Gemeinde fiebert schon. "Ab jetzt steht das Telefon bei uns nicht mehr still", sagt Olivia Molina in Grammatik-reinem Deutsch, in dem jedoch die fremde Sprachmelodie mitschwingt. Die Molina, die den klassisch-soliden englischen Bekleidungsstil bevorzugt, eine hundertprozentige Mischung - nicht zuletzt durch die Irritation ihrer blauen Augen im indianisch geschnittenen Gesicht. "Stimmt, je älter ich werde, umso stärker schlagen die Mayas durch." Ihre Mutter verlässt Ende 1945 das zerbombte Berlin. "Zu Fuß über die Grenze nach Dänemark, hochschwanger mit mir." Im Januar 1946 kommt sie in Kopenhagen zur Welt. 1950 geht die Mutter mit ihren zwei Kindern nach Mexiko, 1965 zurück nach Hamburg.</P><P>Während diese jedoch mit dem Nachkriegsdeutschland nicht zurechtkommt und wieder zurückdampft, bleibt die Tochter: "Ich war ja deutsch erzogen, und das kulturelle Umfeld hier für meine Entwicklung sehr wichtig." In der väterlichen Heimat jenseits des großen Teichs sei alles oberflächlicher. Und die Macho-Attitüde der Männer dort - ihr Vater, auf und davon, hat sich nicht um die Familie gekümmert - geht ihr ganz gegen den Strich. Für die damals 19-Jährige war harte "Self-made"-Lehrzeit abgeschlossen: die Schule, Jobben als Telefonistin im Acapulco Hilton und an den Wochenenden unterwegs mit ihrer Jugend-Band. "Paul Anka, Bill Haley, Brenda Lee, Ricky Nelson, deren Hits habe ich vom Plattenspieler gelernt."</P><P>In Mexiko-City, schon im Show-Biz, auch mit Preisen bedacht, singt sie Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan. Gesangsunterricht zum ersten Mal in Hamburg, dann Arbeit mit dem "Ersten Deutschen Damenkabarett", den "Stachelschweinen", Rollen in "Kiss me Kate", "Jesus Christ Superstar", "Evita", in "Dreigroschenoper" und "Mahagonny", Festspiele, Radio-Preise, Platten, CDs, eigene Kompositionen (ihre "Misa Latinoamericana" im Weihnachtsprogramm) und, typisch für die energisch durchorganisierte Molina, 1984 sogar eine eigene Produktionsfirma.</P><P>Eigentlich sollte 2000 die letzte Weihnachtstournee sein. "Meine mexikanischen Musiker waren nach 17 Jahren zu alt, zum Teil auch schon verstorben." Sie selbst, pragmatisch wie immer ("Meine Stimme hält auch nicht ewig"), war nach 37 Jahren hektischer Hansestadt Hamburg ins kleinere Husum gezogen. Irgendwie hat sie dieses Herzensprojekt aber nicht losgelassen. 2002 startete sie erneut, ohne Kinderchor, ohne Poncho-Folklore, mit einem klassisch besetzten Instrumentalensemble, für das sie neu arrangieren ließ: 24 Weihnachtslieder, aus ihrer Sammlung von über 150, aus Mexiko, aus Argentinien, Guatemala, Venezuela, Kolumbien, Chile, El Salvador. Melodien und Rhythmen, die das Christfest natürlich temperamentvoller feiern als unser "Stille Nacht" und "Leise rieselt der Schnee".</P><P>1987 hat Olivia Molina mit engagierten Freunden auch den Verein "Patenschaft Kinder Lateinamerikas" ins Leben gerufen. Bisherige Bilanz: Horte, Schulen und medizinische Einrichtungen.</P><P>Karten bei München Ticket (089/ 54 81 81 81); Spenden-Tel. 01888/ 272-2502, Manfred.Oblaenderbpa.bund.de.</P>

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