Temperatur steigend

- Kürzlich dirigierte er die Münchner Philharmoniker, im Dezember leitet er das Akademiekonzert an der Staatsoper, und soeben betreute er die Stippvisite der Staatskapelle Dresden im Gasteig: Paavo Järvi aus dem Weg zu gehen, ist derzeit schwer. Das macht ja auch gar nichts, einen solchen uneitlen wie intensiven Gestalter wünscht man sich doch für jedes Konzert. Und besonders interessant wird's, wenn vor ihm ein Orchester wie jetzt das Dresdner sitzt, das mit einer unvergleichlichen Spielkultur gesegnet ist: Hebt die Staatskapelle an, steigt die Saaltemperatur gleich um ein paar wohlige Celsius-Grade.

Robert Schumanns zweiter Symphonie stand dieser warme, homogene Klang, in den Solo-Passagen sanft eingebettet werden, ausgesprochen gut. Järvi zielte auf Spannkraft, auf eine frische, straffe Wiedergabe, staffelte Struktur und dramatische Entwicklung souverän und steigerte Kopfsatz und Scherzo ins Furioso, ohne alles zu überreizen. Nicht immer folgten ihm die Dresdner mit der gebotenen Wendigkeit, Järvi musste oft antreiben - eine schlankere Besetzung hätte da wohl besser gepasst.

Ruhig, ohne pathetische Verbreiterung entfaltete sich vor der Pause das Vorspiel zu Richard Wagners "Parsifal" - ein eigenwilliger Aperitif zum ersten Klavierkonzert von Franz Liszt. Yundi Li, vom begehrlichen Klassikmarkt als neuer Wundermann aus China ausgerufen, erfüllte viele Erwartungen. Denn erstaunlich war es schon, mit welcher Lockerheit der 23-Jährige dem Brocken begegnete. Wie er, anders als Landsmann Lang Lang, nicht den Showman gab, sondern das Werk ohne Äußerlichkeit, mit drahtiger Eleganz und großer tonlicher Prägnanz meisterte.

Manch einer mochte da mehr "dunkle" Stofflichkeit erwarten, Yundi Lis virtuose Selbstverständlichkeit war dennoch ein Ereignis. Begeisterung im schütter besetzten Saal - das mit Terminen verstopfte Konzertwochenende forderte wohl seinen Tribut.

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