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Tenor Daniel Behle: Gratwanderungen mit Beethoven

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Von: Markus Thiel

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Porträt des Tenors Daniel Behle.
Ein Schatzgräber: Daniel Behle. © Lucia Hunziker

Daniel Behle ist der umtriebigste, neugierigste, findungsreichste Tenor auf dem CD-Markt. Gerade ist sein Beethoven-Album „Gegenliebe“ erschienen. Unsere Kritik:

Demnächst durchstößt er die 20er-Schallmauer. Daniel Behle ist der umtriebigste, neugierigste, findungsreichste Tenor auf dem CD-Markt. Ein Schatzgräber und -sänger, der nebenbei auch noch Operetten schreibt: Ende Januar 2023 erblickt „Hopfen und Malz“ endlich das Licht der Bühnenwelt. Bis dahin legt er eine Silberscheibe nach der anderen vor. Und die sind längst über das Nummern-Collier üblicher Arien- und Lied-Recitals hinaus.

„Gegenliebe“ ist Behles 17. Solo-CD

Auf „Gegenliebe“, es ist seine 17. Solo-CD, widmet sich Behle Liedern von Ludwig van Beethoven. Die sind oft gefährliche Gratwanderungen, bei denen den Interpreten Abstürze wahlweise ins Volkstümelnde oder in den (schein-)heiligen Ernst drohen. So gesehen, ist hier ein singender Traumtänzer unterwegs. Man höre zum Beispiel den „Gesang aus der Ferne“: Behle trifft bei den Lockungen eines Jünglings den scheinbar naiven Ton, macht das Volksliedhafte deutlich und geht doch auf augenzwinkernde Distanz – was im Übrigen nicht aus der Haltung des Spätgeborenen passiert: Schon zu Zeiten der Wiener Klassik schwang bei solchen Gefühlsäußerungen ein „Als ob“ mit.

Ähnliches bei „Ich liebe dich so wie du mich“. In die scheinbare Schlichtheit bricht die Möglichkeit eines Dramas herein. Das bedeutet nicht, dass Behle auf der CD theatralisch wird. Es gibt keine Überwürzungen – egal, welcher Emotionszustand gerade geschildert wird. Alles ist in musterhafter, fein justierter Balance, selbst in „Der Wachtelschlag“, der in eine Opernszene driftet, oder in „Bitten“, wo Behle keinen Pathos-Alarm auslöst.

Dieser Dosierungsmeister weiß sich dabei einig mit Pianist Jan Schultsz. Erstaunlich die Flexibilität der beiden, das Gefühl für Tempo-Rückungen und delikate Nuancierungen. Alles scheint in größtmöglicher Freiheit gestaltet und ist dennoch hinterfragt. Zugute kommt Behle seine hervorragende Technik und der Entwicklungszustand seiner Stimme. Die bleibt lyrisch grundiert, kann also zärteln oder wie versonnen in sich hineinhören. Zugleich gibt es da eine heldische Legierung, die schon mal die große Geste erlaubt.

Daniel Behle und Jan Schultsz bleiben hier stets betont natürlich

Auch längere Stücke werden klug entwickelt. „An die Hoffnung“ etwa, das wegen seiner balladenhaften Länge ein gutes „Vorprogramm“, quasi eine Hinleitung zum Zyklus „An die ferne Geliebte“ ist. Letzterer darf nicht fehlen auf dieser Beethoven-Hommage. Wo sich andere an der eigenen Kunst berauschen, bleiben Behle und Schultsz betont natürlich und servieren den Hit, als hätten sie ihn eben erst für sich entdeckt – und für uns natürlich auch.

Informationen zur CD:

Ludwig van Beethoven: „Gegenliebe“. Daniel Behle, Jan Schultsz (Pan Classics).

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