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Teodor Currentzis mit  musicAeterna in der Felsenreitschule.

FESTSPIEL-KONZERT

Currentzis dirigiert Beethoven: Salzburger Dressurakt

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Teodor Currentzis startet seinen Salzburger Beethoven-Zyklus. Eine zwiespältige Hör-Erfahrung.

Salzburg - Es ist noch derselbe Mann. Die schwarzen Haarsträhnen, die immer wieder aus dem Gesicht gestrichen werden wollen, die hautenge Hose und die Stiefel können ja nicht täuschen. Das, was er mit der Musik macht, allerdings schon. 2017, bei Mozarts „La clemenza di Tito“, war für Teodor Currentzis hier alles atemberaubende Röntgenarbeit, auch eine bis in die manieristische Zerfieselung getriebene Analyse. Jeder Ton ein anderes Tempo, so wurde gewitzelt. Dass der gebürtige Grieche mit Arbeitsplatz im russischen Perm zu einer zentralen Gestalt der Salzburger Festspiele werden würde, war schon damals klar – und ein Filetstück des Repertoires nur eine Frage der Zeit.

Beethoven ins Korsett verschnürt

Dementsprechend schnell waren die diesjährigen Konzerte ausverkauft. Beethovens alle Neune an fünf Abenden, und das mit dem letzten Schrei des Dirigentenmarkts: ein Selbstläufer. Und ein ungewöhnlicher Höreindruck. Currentzis und sein Orchester musicAeterna starteten nicht chronologisch, sondern mit dem größten Knaller, mit der Neunten. Nach rund 65 Minuten war alles vorbei und das Auditorium plangemäß aus dem Häuschen.

Für das Wuchernde, Strukturenbrechende hat Currentzis ein eigensinniges Rezept: Beethoven wird einfach ins Korsett verschnürt. Nicht allein mit den Tempi hat das zu tun. Schon in den ersten Takten wird das spürbar, wenn sich nichts wie eine Bruckner-Vorahnung materialisiert: Diese Neunte ist schon da. Diesseitig, mit schroffen, schrundigen Akzentuierungen, einer holzigen Energie und fettfreiem Klang, der weniger überwältigt, sondern sich gegen das Zuhören zu verteidigen scheint. Was sich da in der Felsenreitschule erhebt, ist das Skelett von Beethovens letzter Symphonie.

Weniger Willkürmaßnahmen als sonst

Mit viel weniger Willkürmaßnahmen als sonst kommt Currentzis dabei aus. Umso staunenswerter die Details. Die drohenden Streicherfiguren im Trauermarsch am Ende des Kopfsatzes, das wundersame Ineinandergreifen von Bläser- und Streicherebenen im Adagio, auch das Cello-Motiv zu Beginn des Finales: Nicht als freier, wie aus der Zeit gefallener Moment ist das zu erleben, sondern als strenger, verstörender Kurzmonolog ohne Worte – bevor sich das Freudenthema im geschätzt fünffachen Pianissimo hereinschleicht. Auch über Letzteres staunt man und ist damit beim Problem der Aufführung. Die Präzision, mit der musicAeterna spielt selbst in extremen Tempo-Passagen, die Homogenität, mit der sich der Chor von musicAeterna und der Salzburger Bachchor vereinigen, die uneitle Rhetorik, mit der die Solisten Janai Brugger, Elisabeth Kulman, Sebastian Kohlhepp und Michael Nagy gestalten, das macht diese Neunte zum Ausnahme-Ereignis. Zugleich bleibt da ein anderer, gefährlicher Eindruck: der des Vorgeführten, des Abgerufenen, des Kalkulierten, der Dressur.

Currentzis hat mit seinen Musikern (unter denen nur der Pauker vorlaut wird) eine immense Geschlossenheit erreicht. Man grübelt, wie gerade die Bläser ihre Details im Dauer-Stakkato und Tempostress überhaupt unterbringen können. Doch die Neunte, mit der sich Beethoven doch direkt und unverblümt an den Menschen wendet, berührt in diesem Fall kaum. Eine kalt funktionierende Präzisionsmaschine verrichtet da in der Felsenreitschule ihre Arbeit. Nur einmal, als mit Schiller weltumspannende Brüderlichkeit beschworen wird, scheint für einen kostbaren Moment etwas aufzubrechen. Nicht viel bei 65 Minuten.

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