Auf dem Teppich ins Wunderland

Opernfestspiele: - Von den Verantwortlichen der Bayerischen Staatsoper sei sie vor einiger Zeit durchs Haus geführt worden. Und als Diana Thater in die Eingangshalle zum Marstallplatz kam, habe man ihr im abschätzigen Ton gesagt: "Dann haben wir noch diesen Raum."Diese Haltung soll sich nun ändern, die ungeliebte Halle wird während der Opernfestspiele im Juli umgestaltet.

Und zwar mit einem langen blauen Teppich, auf dem orange-rote Texte aus "Alice im Wunderland" zu lesen sind - aus dem Buch also, das Vorlage für die gleichnamige Festspiel-Uraufführung ist.

Die Teppich-Aktion ist Teil des neuen Konzepts von "Festspiel +". Das Konzertprogramm ist zusammengeschnurrt, die Bildende Kunst wurde dagegen deutlich aufgewertet - dies in Zusammenarbeit mit der Pinakothek der Moderne. Dafür hat die Staatsoper Medienkünstlerin Diana Thater verpflichtet, die zugleich als Kuratorin tätig ist und sechs Kollegen aus ihrer kalifornischen Heimat mitbringen wird. Kalifornien war gewünscht, Chefdirigent Kent Nagano stammt schließlich ebenfalls von der US-Westküste.

Das Thema "Alice" nimmt Bezug auf die neue Oper von Unsuk Chin (sie wird vom Regisseur und Bildenden Künstler Achim Freyer inszeniert) und soll sich durch alle Aktionen ziehen. Normalerweise, so Diane Thater, reagierten Künstler eher ablehnend, wenn sie mit einem Thema oder Motto konfrontiert werden. Bei "Alice" seien jedoch alle begeistert gewesen. Geplant sind unter anderem Skulpturen, Zeichnungen und Vorhänge für die Ionischen Säle des Nationaltheaters sowie, dies dann in der Pinakothek, Wandzeichnungen, ein Spiegelkabinett und ein Gemälde als Hintergrundkulisse für Konzerte. Nagano hat dabei auf das Musikprogramm für "Festspiel+" Einfluss genommen und zum Beispiel die Verpflichtung des Rockmusikers Ben Wendel angeregt, der die Szene in Los Angeles "mit Crossover-Projekten aufmischt", wie es Dramaturg Peter Heilker ausdrückt.

Zu erleben sind außerdem noch der deutsche Jazz-Trompeter Til Brönner, Julie Kaufmann mit Liedern von Rihm, Strauss und Chin sowie die Band Kneebody, die Jazz, Hip-Hop und Rock kombiniert. Konzert-Orte sind das Nationaltheater und die Pinakothek. "Dialoge" sollen laut Staatsoper zwischen Bildender Kunst und Musik geführt werden - sich wundernde Festspielgäste sind herzlich willkommen.

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