Dem Terror trotzen

- Seit gestern ist es offiziell: Der Brite Mark Roseman - in seinem Land bereits vielfach mit Auszeichnungen dekoriert - wird mit dem diesjährigen Geschwister-Scholl-Preis (10 000 Euro) des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen sowie der Stadt München ausgezeichnet - und zwar für sein Buch "In einem unbewachten Augenblick", einer hervorragenden Biografie der Marianne Ellenbogen, geborene Strauß. Der in Großbritannien lebende Historiker zeigt sich in einem ersten Telefongespräch darüber hoch erfreut.

<P>Welche Bedeutung messen Sie dem Geschwister-Scholl-Preis bei?<BR><BR>Roseman: Ich muss sagen, eine sehr hohe. Ich wollte unbedingt, dass mein Buch auf Deutsch und in Deutschland erscheint. Es ist normal, dass die Verlage versuchen, die Rechte an Büchern zu erwerben, die im Ausland erscheinen. In diesem Fall aber war es umgekehrt. Ich habe von Anfang an, als ich noch an dem Buch schrieb, die Suche nach einem deutschen Verlag forciert. Mir war das ganz wichtig. Dass die Biografie der Marianne Ellenbogen jetzt mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wird, rührt mich zutiefst. Diese Ehrung wäre auch, wenn sie noch leben würde, für sie selbst von großer Bedeutung. Und sie ist es heute für ihren Sohn. <BR><BR>Dann sind Sie also von sich aus an den Aufbau-Verlag herangetreten?<BR><BR>Roseman: Ja. Er schien mir durch sein Programm, zum Beispiel durch die Klemperer-Tagebücher und vor allem durch Marion Kaplans "Der Mut zum Überleben", am geeignetsten. Er ist es, hatte ich mir gedacht, der am ehesten eine Brücke schlagen könnte zwischen den Büchern mit hohem wissenschaftlichen Anspruch und einem breiten Lesepublikum.<BR><BR>Was ja in Deutschland eher selten ist.<BR><BR>Roseman: Das darf man den Autoren nicht zur Last legen, denn das ist ja gerade das, was in Deutschland von den wissenschaftlichen Büchern gefordert wird: die Verschachtelung, die diversen Einschübe, die Fülle an Fußnoten. Das gehört in Deutschland sozusagen zur Marke. Bei uns ist das nicht ganz so streng.<BR><BR>Eine wichtige Botschaft Ihres Buches: Es war in dieser Zeit des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland möglich gewesen, Mut zu beweisen, Leben zu retten, dem Terror zu trotzen. Eine Erkenntnis, die die Mitschuld der anderen umso größer erscheinen lässt?<BR><BR>Roseman: Man muss sich schon auch fragen, wie man sich wohl selber verhalten hätte. Aber wenn man wirklich Fragen stellen wollte, das zeigt diese Biografie, dann konnte man unheimlich früh erfahren, was los war. Es ist beeindruckend nachzuvollziehen, wie Artur Jacobs, dem Leiter des "Bundes", langsam das ganze Ausmaß der Katastrophe klar wurde.<BR><BR>Die Widerstandsgruppe "Der Bund", durch die Marianne überleben konnte, war bislang so gut wie unbekannt.<BR><BR>Roseman: Ich schreibe jetzt ein Buch über diese Gruppe.<BR><BR>Können Sie sich vorstellen, dass aufgrund Ihres Buches das Leben der Marianne Ellenbogen einmal verfilmt würde?<BR><BR>Roseman: Das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Ich würde es mir sogar wünschen. Und auch Mariannes Sohn Vivian, mit dem ich mir die Erlöse aus dem Buch teile, sähe das sehr gern. Denn sein Anliegen ist es, dass die Geschichte seiner Mutter bekannt wird, dass die Menschen davon wissen. Aber ich habe bereits mehrere Anläufe unternommen. Und auch Regisseur Imo Moskowicz hat schon seine Fühler ausgestreckt. Bis jetzt hat sich noch nichts ergeben.</P><P>Das Gespräch führte Sabine Dultz<BR></P>

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