Test mit Teekannen und Tassen

- Die Leidenschaft währte über 15 Jahre lang. Das Ergebnis ist eine Sammlung, die Ästhetik und Kurioses, Nützliches und Zeitloses verbindet: 1500-mal Bambus, vom Picknick-Korb bis zur Schrankwand, vom Grillenkäfig bis zur Nackenstütze, vom Schlüsselanhänger bis zum Funktionshemd. Was der Schweizer Kaufmann Hans Spörry aus der Zeit vor 1900 zusammengetragen hat, erzählt nicht nur die Geschichte des alten Japan, sondern auch die eines Besessenen, der durch seine Forschungen und seinen Nachdruck anspruchsvollstes Kunsthandwerk für die Nachwelt rettete.

Zu sehen ist die Auswahl aus Zürich jetzt im Völkerkundemuseum München.

"Beinahe meine ganze freie Zeit ging darin auf; draußen mit Sammeln und zu Hause mit Ordnen und Sichten, Fragebogen anlegen für die unaufhörlich zu beschaffenden Auskünfte; korrespondieren nach allen Ecken und Enden, wo etwas zu erfragen und zu erhoffen war", schrieb Spörry, der 1890 ursprünglich für eine Seidenfirma unterwegs war. Der Ruf des Sammlers eilte ihm bald so weit voraus, dass er schließlich seine Helfer inkognito losschickte, um zu fairen Preisen die erlesenen Stücke zu bekommen. Die Faszination lag und liegt dabei im Material, das Kraft und Geschmeidigkeit vereint. Die Pflanze erreicht binnen eines Jahres ihre oft riesigen Ausmaße, um dann bis zur Blüte nach 80 bis 130 Jahren zu gedeihen.

Dementsprechend mischen sich Filigranes und Bombastisches in der Ausstellung, primär aber ist es die Schönheit auch der Verarbeitung, die besticht. Vasen aus Wurzelwerk, geflochtene Muster, stapelbare Ausflugskörbe, landwirtschaftliches Gerät, eine Mausefalle, Waffen, Instrumente und vor allem feinster Zierrat von Schwertern eröffnen eine immense Bandbreite. Wen wundert es da, dass Bambus in Rippen von Lampions ebenso wie von Fächern das Geheimmnisvolle in den Vordergrund rückte, dass Haarstecker, Bürsten und ganze Schönheits-Sets entstanden? Immer wieder ist dabei erstaunlich, mit wie viel Erfindungsgeist man die Rohre, Knoten und Scheidewand in die Funktionalität integrierte. Schuhe beispielweise schnitt man aus einem Stück, Pantoffeln hat man geflochten. Die meisten der Stücke wirken dabei so modern, dass man sie nicht über 100 Jahre zurückdatieren würde.

Wenn das zeitlose Design mit Bildern erweitert wurde, so waren der "Bambus im Schnee" sowie die Heimsuchung durch die Spatzen zur Blütezeit beliebte Motive. Der im Dickicht Schutz suchende Tiger wiederum verweist auf die Wandelbarkeit des Materials, das man auch in einer ganz eigenen, meditativen Maltradition zu erfassen suchte. Eine der schönsten und gediegensten Verwendungsarten des Bambus ist dennoch funktionell: die Herstellung von Teekannen und Tassen. Der Test im eigens aufgebauten Teehaus ist sehr anzuraten.

Bis 28.1.07, Katalog: 74,80 Euro, Tel. 089 / 210 13 61 00.

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