Teuer erkaufter Adelstitel

- Klassiker kühn zu wenden, das hat das Theater viel Lärm um Nichts in gut zwei Jahrzehnten zu seinem Markenzeichen gemacht. Jetzt wagte Hausherr Andreas Seyferth einen Molière auf Bairisch: aus dem gehörnten "George Dandin" machte ihm Josef Parzefall mit viel Übertragungsgeschick einen "Dandinger Schorch", den Parzefall selbst mit ungebremster Eifersucht und Galle in eine ländlich niedliche Idylle wütet. Platzausnutzung wird für die Pasinger Fabrik vermutlich kein Problem sein.

<P>Sich mit Diridari einen Adelstitel zuzulegen, ist in weißblauen Gefilden bekanntlich nicht verpönt. Da passt die Geschichte vom reichen Bauern Dandinger, alias Dandin, der aus Standesehrgeiz bei den "von Bläh-Fröschls" eingeheiratet hat. Was ihm seine Angé´lique, mondän gestylt, dann auch an den Kopf wirft und es dreist hinter der aufgehängten Wäsche und sogar in den ehelichen Gemächern mit dem Grafen von Kitzling (Wolf Friedrich) treibt. Das Infame ist, dass dieses Dämchen, unterstützt von der Intrigen-lüsternen Magd (Ala Freyberg und Eva Wittenzellner gemeinsam in Hochform) sich jedes Mal raffiniert aus der Schlinge lügt. Und auch die lodenstrammen Schwiegereltern finden immer wieder einen Dreh, Schorsch zum Schuldigen zu stempeln.<BR><BR>Der muckt und trotzt und klagt - und muss sich doch dem Diktat des alten Aristo-Schlitzohrs (ausgezeichnet: Seniordarsteller Adolf Adam) beugen. Bei Molière ist der Bauer eine lächerliche Figur. Bei Regisseur Andreas Seyferth ist er - eine arme Sau. Seyferth hat die Tragik in der Komödie ernster genommen, als es das Original vertragen hätte. Hier also keine französische Leichtigkeit. Aber eine gewisse bäuerliche Sperrigkeit bekommt dem bairischen Idiom wahrscheinlich auch besser. Und was den Dialogen gelegentlich an sarkastisch doppelbödigem Witz fehlt, liefert Claus Steigenberger an der Gitarre mit seinen Gstanzln. <BR><BR>Womit wir, aus der Sparte Berufszuschauer, wieder unsere kleine Pflicht erfüllt hätten, die uns jedoch angesichts einer Menschheitskatastrophe absurd und überflüssig erscheint. </P><P>Bis 12. März, Telefon 089/ 82 92 90 79.</P>

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