Teufelstänze auf der Wanderbühne

- Cordula Jung ist guter Dinge. Wenn diesen Samstag der Vorhang des Akademietheaters im Münchner Prinzregententheater aufgezogen wird, kann die Regiestudentin bereits ihre zweite öffentliche Inszenierung präsentieren: "Die Geschichte vom Soldaten".Seit Anfang Januar probt die 27-Jährige mit Schauspielstudenten, Instrumentalisten und der Erzählerin Katja Schild an Igor Strawinskys Musiktheater en miniature, einer Bühnengattung, die ihr wohl vertraut ist. Vor Beginn ihres Studiums an der Bayerischen Theaterakademie August Everding hatte sie als Regieassistentin unter anderem in der Pasinger Fabrik gearbeitet, der Heimstatt von Münchens kleinstem Opernhaus.

Wie kommt das Ensemble mit den musikalischen Schwierigkeiten des Werks zurecht? "Ungewohnt für die Schauspieler ist die Choreographie", sagt Cordula Jung, die im Tanz ein wichtiges Element des Stückes sieht. Um den eindeutigen Gestus der Musik noch besser in Bewegung umsetzen zu können, arbeitet sie mit der Choreographin und Akademiedozentin Katja Wachter zusammen.

Für ihre Inszenierung hat sich die Regisseurin von einer zeitlosen Märchenästhetik jenseits psychologischer Deutungen leiten lassen. "Wenn man versucht, Symbole zu erklären, macht man die Geschichte kleiner", meint Jung, die sich nach ihrer ersten, auf mythologischen Stoffen basierenden Inszenierung "Vertrauen auf Irrtum" explizit nach einem Märchenstoff umgesehen hatte. Trotz der Symbolhaftigkeit der Figuren Soldat, Teufel und Prinzessin gönnt die Regisseurin ihnen ein Eigenleben auf der Bühne. "Die Figuren verhalten sich oft konträr zu der von der Erzählerin initiierten Handlung. Die ,Geschichte’ gerät außer Kontrolle, es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Erzähltem und Dargestelltem und kommt zum Konflikt."

Strawinskys Idee, das Stück auf einer Wanderbühne zu spielen, bleibt Cordula Jung treu und verzichtet auf eine aufwändige Ausstattung. Mit einfachsten Mitteln haben die Beteiligten das Bühnenbild eigenhändig hergestellt.

4. und 5. März, 20 Uhr, Tel: 089/ 21 85 19 70.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Blind sind die anderen
Saliya Kahawatte hat 15 Jahre in einem Hotel gearbeitet, obwohl er kaum sehen kann – von den Vorgesetzten unbemerkt.
Blind sind die anderen
Der Rest ist – Jubel
München - Hausregisseur Christopher Rüping glückte an den Münchner Kammerspielen eine hochkonzentrierte Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Lesen Sie hier unsere …
Der Rest ist – Jubel
Unser Soul-Arbeiter
Lee Fields brachte den Club Ampere zum Dampfen
Unser Soul-Arbeiter
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Jempten - Falco wäre im Februar 60 Jahre alt geworden. Er starb jung, doch seine Hits wie „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ begeistern die Menschen noch immer.
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten

Kommentare