Teuflische Videospiele

- Wer schon immer wissen wollte, wie des Teufels Großmutter aussieht, der muss sich an den alten Grabbe und sein 1822 entstandenes Lustspiel "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" halten. Oder auch an Detlev Glanerts gleichnamige, im Jahr 2001 uraufgeführte Oper. Auch darin tritt des Teufels Großmutter, die in der Hölle Hausputz hält, leibhaftig auf und holt den in die Welt geflohenen Enkel aus der Kälte zurück. Im Prinzregententheater, wo die Bayerische Theaterakademie die Münchner Erstaufführung der komischen Oper herausbrachte, war die Großmutter eine laszive, junge Gespielin.

<P>Christian Dietrich Grabbes groteskes Drama, in dem der Dichter seine bitterbösen Späße treibt, die Welt auf den Kopf stellt, Kollegen beschimpft und auch sich selbst parodiert erscheint im gelüfteten Operngewande (Libretto: Jörg W. Gronius) belanglos und harmlos.</P><P>Glanerts farbenreiche, mit viel Schlagzeug angereicherte Musik wagt sich über einen illustrativen Charakter nicht entschieden hinaus. Obwohl der Komponist sie mit Tempo in die Groteske hineinschrauben wollte, gelingt ihm das nur bedingt. Immerhin beglaubigte Christoph Poppen ( bei seinem Münchner Operndebüt) am Pult seines Kammerorchesters diese Absicht gegen Ende des zweiten Aktes. Doch vermisste man insgesamt die Leichtigkeit, den Rossini'schen Irrwitz, der die Geschichte musikalisch ad absurdum getrieben hätte. Vielmehr schien es, als hinge die "tiefere Bedeutung" dem Unternehmen bleischwer an den Füßen.</P><P>Dazu leistete auch der Regisseur Reto Nickler seinen Beitrag; er begrub den Anfangswitz rasch in wildem Aktionismus. In Christoph Rasches Palisander-getäfeltem Siebzigerjahre-Raum mit Leuchtpodest, gläsernen Zellen und schwebender (Beleuchtungs-)Brücke jagte er das junge, zu allem bereite Ensemble herum, ließ den Teufel seine Spielchen mit der Videokamera auf einem Dutzend Monitoren treiben und immer mal wieder Höllenrauch verbreiten.</P><P>Die jungen, von Katharina Weißenborn zum Teil in (beschriebene) Papiergewänder gesteckten Sänger der Münchner Hochschule für Musik und Theater wirkten hochmotiviert. Und da Glanert durchaus sängerfreundlich schreibt, Poppen die junge Crew sicher in der Musik verankerte, boten alle zusammen eine homogene Ensembleleistung. Angeführt von Franz Vitzthum, der mit seinem ungemein hellen Countertenor den lüsternen Teufel charakterisierte. Bei den Damen ließen Lenneke Ruiten (Naturhistoriker) und Sibylla Duffe (Gottliebchen) aufhorchen. In der soliden Herren-Riege profilierten sich Markus Georg Herz (Rattengift), Gustavo Martin-Sanchez (Mollfels) und die Naturhistoriker Markus Durst und Martin Busen. Dass mancher sich bei "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" sehr rasch langweilte, lag jedenfalls nicht an den Studenten.</P><P>Weitere Aufführungen am 17., 21. und 25. Februar.</P>

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