Teuflisches Vergnügen beim Kammerkonzert

- Märchen werden nicht immer wahr. Das musste Igor Strawinsky im Jahr 1917 erfahren, als er die "Geschichte vom Soldaten" schrieb. Vor existenzielle Nöte gestellt, ließ er sich von Charles-Ferdinand Ramuz ein Märchen umschreiben, in dem der Teufel gewinnt. Beim Festspiel-Kammerkonzert am Sonntag im Prinzregententheater verursachte die Mischung aus Musik, Tanz und Schauspiel freilich das reine Vergnügen.

Die Atmosphäre war locker: Musikdirektor Zubin Mehta selbst führte Violine, Kontrabass, Klarinette, Fagott, Cornet à` pistons und Posaune in einen Dialog mit einer ganzen Batterie von Schlagwerk. Sicher arbeiteten die Musiker die schwankenden Stimmungen und Klangfarben aus Tango, Walzer, Paso Doble, Ragtime und vielem mehr heraus, von denen es im Stück wimmelt.<BR><BR>Die Tänzerin Beate Vollack gab die Prinzessin zu Beginn hübsch zaghaft und linkisch, unter Einsatz roter Stöckelschuhe dann allerdings doch zusehends "Fesche Lola"-mäßig - ein wenig albern, aber vielleicht gerade so dem oft absurden Charakter des Stücks entsprechend.<BR><BR>Ganz und gar nicht albern, vielmehr mit Pokerface stand Publikumsliebling Jörg Hube an seinem Pult und sprach Soldat, Teufel und Erzähler in der ihm eigenen Mischung aus Bonvivant und Boandlkramer, raunte, krächzte brummte und lockte, dass es eine Freude war - immer jedoch in Strawinskys Musik eingebunden, so dass es nie ganz seine Show wurde.<BR><BR>Ihre eigene Show, ohne einen Erzähler, hatten die Musiker zuvor, noch in Kammerensemble-Stärke, bei Saint-Saë¨ns "Karneval der Tiere" bekommen. Ebenso wichtig wie der tadellose Ausdruck war da natürlich die Mimik, wenn es etwa galt, die Elefantendame tanzen zu lassen. Musik-Erziehung, bei der nicht nur die Kinder strahlten.<BR>

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