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In Hamburg wird die Geschichte des Mörders Charles Manson als Musical gezeigt.

Thalia Theater

Bizarr: Mörder Charles Manson als Musical-Star

Hamburg - Mit Charles Manson macht das Thalia-Theater einen verurteilten Mörder zum Helden eines Musicals. Der Inszenierung gelingt es nicht, eine kritische Distanz zu dessen Taten einzunehmen.

Blumenmädchen und Hippie-Musik - mit „Charles Manson - Summer of Hate“ hat das Thalia Theater am Freitag ein Musical über den US-Musiker und verurteilten Mörder Charles Manson uraufgeführt. Irgendwo zwischen Gefängnishof und Mansons Ranch im ausgetrockneten Death Valley bewegt sich das Bühnenbild in der Inszenierung von Regisseur Stefan Pucher.

Interviews des inhaftierten Manson werden auf der Hinterbühne von Schauspielern nachgespielt und per Video auf einen riesigen Gefängniszaun übertragen. Zwischen gelber Erde und rohen Steinen tanzen Mansons junge Frauen in Hippie-Kostümen verführerisch an der Rampe, während die Hamburger Band „Trümmer“ ausschließlich Kompositionen des verurteilten Mörders spielt.

Alle Eigenkompositionen des gesellschaftskritischen Pop-Quartetts waren kurzfristig aus der Inszenierung gestrichen worden. Jetzt sind die jungen Musiker, allesamt mit Bärten und langen Haaren als Charles Manson verkleidet, nur noch Erfüllungsgehilfen - eine Integration der Band in das Bühnengeschehen findet nicht statt.

Ob absichtlich oder nicht, eine kritische Distanz zur Manson-Sekte und ihren Taten vermag die Inszenierung nicht einzunehmen. Im Gegenteil: Die Hippie-Songs und Tanzbewegungen üben eine große Sogwirkung aus, die brutalen Morde werden an der Rampe von den Manson-Frauen dagegen nur kurz nacherzählt.

Regisseur Stefan Pucher hatte eigentlich einen komplexeren Abend versprochen. Im „Summer of Love“ seien junge Leute auf der Suche nach einem neuen Wertesystem gewesen und landeten stattdessen bei einem Psychopathen und der Auslöschung aller Werte, sagte Pucher der dpa. Mit „seiner Knastphilosophie und seinem Blick aus dem Gefängnis heraus“, decke Manson „die Widersprüche einer Gesellschaft auf, die im Krieg ist, nicht nur mit Vietnam, sondern auch mit sich selbst“. Auf der Bühne ist diese Konzeption nicht eingelöst worden.

dpa

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