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Intendantin Juliane Votteler bietet eine politische Saison.

Vom Fremdsein des Menschen

Augsburg - Die nächste Augsburger Theatersaison bewegt sich zwischen Nonos „Intolleranza“, „Lohengrin“ und dem Gedenken an die Bombennacht. Den größten Brocken stemmt das Haus zu Beginn der kommenden Spielzeit.

Luigi Nonos „Intolleranza 1960“, das bedeutet nicht nur für Festivals den Ausnahmezustand, erst recht für ein Haus wie das Theater Augsburg. Die „szenische Aktion“ schildert, nach einem katastrophalen Bergwerksunglück, die politische Bewusstwerdung eines Emigranten – ein Hauptwerk des 20. Jahrhunderts. „Intolleranza 1960“ hat am 27. September Premiere. Regie führt Ludger Engels. Und dirigieren wird noch einmal Dirk Kaftan.

Ende der aktuellen Saison wechselt der Generalmusikdirektor bekanntlich nach Graz, seine in Augsburg vereinbarten Projekte betreut er in der Spielzeit 2013/14 als Gast. Deutlich ist auch dieser Saison anzumerken, Kaftan repräsentative Projekte zu ermöglichen: Am 3. Mai 2014 dirigiert er Wagners „Lohengrin“, inszenieren wird Thorleifur Örn Arnarsson.

Das „Fremdsein des Menschen“, die „Suche nach der Sicherung seiner Existenz“, wie es Intendantin Juliane Votteler formuliert, durchzieht – aufgehängt am Nono-Projekt – die nächste Augsburger Saison. Geplant sind mehrere Beiträge von kulturellen Einrichtungen aus Augsburg und München, unter anderem ein Symposion. Eine bewusst politische Spielzeit also, die dank dieser Programmpunkte die gesellschaftliche Rolle des Theaters verstärkt untersuchen wird.

Weitere Musiktheaterpremieren sind Verdis „Rigoletto“ (26.10.13), Gershwins „Porgy and Bess“ konzertant (7.12.13), Debussys „Pelléas et Mélisande“ (15.3.14) und Loewes „My Fair Lady“ (21.6.14) auf der Freilichtbühne.

Aus dem Schauspiel-Programm ragt ein Publikumsfänger heraus: Schauspielchef Markus Trabusch inszeniert Kurt Wilhelms „Brandner Kaspar“ (13.10.13). Die Parallel-Produktion zu Nonos „Intolleranza 1960“ ist am 15.2.14 die Uraufführung von „Operation Big Week“, ein Dokumentar-Theaterabend von Hans-Werner Kroesinger. Anlass ist der 70. Jahrestag der „Augsburger Bombennacht“, als die Stadt Zielscheibe der alliierten Aktion „Big Week“ wurde.

Darüber hinaus bietet die Schauspielsparte unter anderem die Premieren von Ibsens „John Gabriel Borkman“ (21.9.13), Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ (8.2.14) und Shakespeares „Hamlet“ (5.4.14). Ungewöhnlich ist der Liederabend „Die Bekenntnisse der Marion Krotowski“ (ab 3.11.13), der sich der „Amsel von Augsburg“ widmet, der einst auch Brecht verfiel. Die Inszenierung besorgt Schauspieler Christian Friedel, in München vom Staatsschauspiel der Dorn-Ära bekannt, die musikalische Leitung hat Matthias Heiling, Dozent an der Falckenbergschule.

Das Augsburger Ballett befasst sich zum Beispiel mit der Uraufführung von „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1.12.13) und „Schattenspiel“ (22.2.14), in dem Werke von Itzik Galili gezeigt werden. Insgesamt gesehen klingt das alles nicht nur nach viel, sondern wird auch durch die Saison-Summe gestützt: Es handelt sich um stolze 19 Neuproduktionen.

Markus Thiel

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