Dem Theater dienen

- "Endspiel". Da kam ein ausgesprochen vitaler, temperamentvoller Nagg aus der Aschentonne emporgetaucht, nicht menschlicher Abfall, sondern eine Persönlichkeit, die das Leben liebte auch im Hinscheiden. Peter Herzog prägte ganz jugendlich diesen Alten in Becketts melancholischem Stück, das im Münchner Residenztheater zu sehen ist. Nun hat dieser unermüdliche Wegbegleiter von Dieter Dorn und dessen Bühnenkunst zu Ende gespielt. Am Montag ist er nach kurzer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.

<P>Das Bayerische Staatsschauspiel ehrt ihn als einen, für den Theater "eine große Idee" war, "auch eine politische Idee, die es zu erarbeiten und zu bewahren galt". Ehrliche, tiefe Erschütterung schwingt mit, wenn das Team feststellt: "Als Mensch war er beliebt wie kaum einer. Oft stehen im Theater Eitelkeit, Ellenbogenmentalität und Egozentrik der gemeinsamen Arbeit entgegen. Peter Herzog zeigte, dass der Reichtum des Theaters im genauen Gegenteil liegt: in der Kunst, sich als Person zurückzunehmen und ganz der Sache zu dienen." Der Darsteller erfüllte das seit Jahrzehnten mit all seiner Individualität, die ihn für das Münchner Publikum unvergesslich macht: der Mittelfinger an der Lippe, die aufwallende Gesichtsröte, die kräftige Stimme, kurz: sein mit allen Fasern Präsentsein. Diese Bühnen-Besonderheit werden wir vermissen.</P><P>Peter Herzog, Vater des Regisseurs Jens-Daniel Herzog, war eine Konstante des Dorn-Theaters. 1929 in Breslau geboren, spielte er zunächst in Berlin, dann in Hamburg, wo er Dorn traf. Mit ihm ging er danach an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlins und folgte ihm nach München. 1977 wurde er Ensemblemitglied der Kammerspiele, 2001 "zog" er mit um ans Staatsschauspiel. Zuletzt war er zu sehen in "Nathan der Weise", "Der jüngste Tag", "Der Kaufmann von Venedig", "Die Wände" und und und: Nicht nur deswegen wird er eine große Lücke hinterlassen.</P>

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