Theater feiern ihre Besten - "Faust" zum zweiten Mal vergeben

München - Mehr Theater, weniger Show - das war die Devise bei der zweiten Verleihung des neuen Theaterpreises "Der Faust". In einer Gala im Münchner Prinzregententheater kürten die deutschen Bühnen am Freitagabend wieder "ihre Besten".

Nach der umstrittenen "Faust"-Premiere in Essen 2006, die sich sehr an die Oscar-Verleihung angelehnt hatte, stand dieses Jahr das Theater wieder im Mittelpunkt. Der "Faust" ist kein Kritikerpreis, sondern eine Auszeichnung von Theatern für Theater. In acht Kategorien wurden Leistungen von Regie über Tanz und Schauspiel bis hin zur Ausstattung prämiert.

Junge Künstler wie die Tänzerin Katja Wünsche und die Schauspielerin Brigitte Hobmeier fanden vor Aufregung kaum Worte, als sie die neue Trophäe in Empfang nahmen. Der Komponist Helmut Lachenmann forderte in einer bewegenden Laudatio für den Dirigenten Michael Gielen, der den "Faust" für sein Lebenswerk erhielt, die "Kunst in Sicherheit" zu bringen, dort wo ihr die "Gefahr der Verflachung" drohe.

Die Bühnen der Gastgeberstadt München kamen in diesem Jahr gut weg und heimsten insgesamt drei Preise ein. Brigitte Hobmeier wurde als beste Schauspielerin für ihre kraftvolle und kämpferische Darstellung der Elisabeth in Horváths "Glaube, Liebe, Hoffnung" an den Münchner Kammerspielen geehrt. "Jetzt ham wir den Salat", sagte Hobmeier, als sie nach Worten des Dankes suchte. Die Sängerin Angela Denoke überzeugte die Jury in der Titelpartie in Strauss' "Salomé" an der Bayerischen Staatsoper. Schließlich ging der Preis für die beste Ausstattung an Andrea Schraad von den Münchner Kammerspielen ("Drei Schwestern"). Aus den neuen Bundesländern kam das Theater Chemnitz gleich doppelt zum Zug. Regisseur Dietrich Hilsdorf (Regie-Faust) hatte aus Sergej Prokofjews Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" eine überdrehte Gaunerkomödie gemacht. Der Choreograph Stephan Toss bestach am Theater Chemnitz durch seine von aller Folklore befreiten Neufassung des Ballettklassikers "Giselle".

Eine politische Note brachte der Regisseur Stephan Kimmig in den Festakt. Kimmig erhielt den "Faust" für seine "Maria Stuart" am Hamburger Thalia Theater. Laudatorin Nina Hoss lobte den "satirischen Biss" und die "glasklaren Charakterzeichnungen" Kimmigs. Der Geehrte selbst sagte, Auslöser für seine Inszenierung seien Äußerungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gewesen, dass unter gewissen Umständen Folter denkbar sei. "Wir sind alle aufgefordert, dem entschieden entgegenzutreten", sagte Kimmig unter dem Applaus der rund 1000 Gäste.

Prominent war die Laudatoren-Riege der "Faust"-Verleihung. Vladimir Malakhov war angereist, um die beste Tanzleistung zu küren. Katja Wünsche konnte ihr Glück kaum fassen, als sie den Preis für ihre Rolle der Nadja in "I fratelli - Die Brüder" am Stuttgarter Ballett entgegennahm. "Ich hab's nicht erwartet", sagte sie aufgeregt. Die Sopranistin Anja Silja kürte die beste Sängerin. Nach Berlin ging dieses Jahr ein "Faust" für die beste Kindertheaterregie, und zwar an Frank Panhans für die Inszenierung eines Bandenkriegs ("Cengiz & Locke") am Grips Theater.

Die Briefumschläge mit den Namen der Preisträger knisterten zwar laut, doch die Laudatoren sorgten mit unaufgeregten Reden dafür, dass die Kunst wichtiger als die Show blieb. Für die Gala hatten die Veranstalter vom Bayerischen Nationaltheater das "Lulu"-Bühnenbild entliehen. Schlichter hätte es kaum sein können - links ein Rednerpult, rechts ein Garderobenständer, und gelegentlich ein Sofa, auf dem die Moderatoren Peter Jordan und Bernd Moss dem Abend einen komödiantischen Anstrich gaben. Filmemacherin Doris Dörrie jedenfalls gab dem "Faust" ihren Segen: "Ich habe mich jetzt besser unterhalten als jemals auf einer Filmpreisverleihung."

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