Theater mit Gesang

- Als technische Probe gibt sie ihren Auftritt im Münchner Prinzregententheater aus: Helen Schneider räumt die Bühne auf, singt und scherzt, während Pianist Bruce Coyle ein wenig herumklimpert, raucht, Zeitung liest oder von der Bühne schlurft. Natürlich ist hier nichts improvisiert. Es ist ganz einfach makelloses Entertainment, perfekte Unterhaltung mit dem Anschein der Natürlichkeit.

<P>Denn Schneider singt nicht einfach ein paar Lieder, sondern führt eine Art Theaterstück mit Gesang auf. Sie erzählt Anekdoten aus ihrem bewegten Leben als Sängerin und stimmt zwischendrin, sozusagen organisch eingebettet, die passenden Songs dazu an.<BR>Standards aller Genres interpretiert sie dabei so sicher wie wandlungsfähig, dass man seinen Ohren kaum trauen mag. Egal ob Blues, Jazz, Musical oder die Stücke von Kurt Weill: Jedem Idiom wird sie stimmlich gerecht, ohne sich zu verbiegen.</P><P>Und jedem Lied verleiht sie mit ihrer markanten, präzise phrasierenden Stimme eine unverwechselbare Note. Mühelos variiert sie dabei ihr Timbre von glockenhell bis verrucht, ohne manieriert zu erscheinen. In jedem Moment vermittelt sie Aufrichtigkeit. Das gilt auch für ihre Reflexionen über die eigene Vergangenheit und das Showgeschäft. Wenn sie etwa den zermürbenden Alltag in Las Vegas ("Disneyland für Erwachsene") schildert oder ihre Flucht vor 3000 Motorradrockern, ist das immer wahrhaftig. Ob die amüsanten Geschichten wahr sind oder einfach nur schön erfunden, ist letztlich egal, denn so wie Schneider sie dem Publikum präsentiert, erfüllen sie unaufdringlich ihren dramaturgischen Zweck.</P><P>Wie kunstvoll dieser Ansatz ist, wird nach der Pause deutlich, als sie dann im weißen Hosenanzug einfach nur singt: Der Zauber des schwebend Leichten droht sich zu verflüchtigen. Lediglich Schneiders faszinierende Stimme verhindert ein Abfallen des Spannungsbogens.<BR></P>

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