Theater-Denksport

- Die Küche im Zimmer und kein Balkon, darin eine mittelmäßige Schauspielerin, über 30, zwei Kinder, Nierenschwäche, und keiner, der ihr mal sagt: "Du bist eine ganz, ganz wunderbare Person." Das ist Susanne Kubelka. "Ich habe noch nie eine Figur gespielt, die mir so ähnelt", bemerkt sie zu der Rolle, die ihr angeboren ist. "Ich bin die, die ich bin." Warum glaubt sie trotzdem, sie sei in Hollywood, mitten in einem Filmdreh mit Brad Pitt, Juliette Lewis und John Wayne?

Man möchte meinen, sie leide unter einer ernstzunehmenden Persönlichkeitsstörung. Doch was sich hier, im Pathos transport theater München, abspielt, ist ein Problem größer als das. Denn irgendeiner dieser drei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler - die alle mal vorgeben, Susanne Kubelka in Hollywood zu sein und zwischen Stargarderobe und Kühlschrank (Bühne: Michael Ottopal) ständig aus ihren Rollen schlüpfen - heißt tatsächlich Susanne Kubelka. Das ist das Gegenteil vom Gegenteil von Theater oder: Nicht-Theater im Nicht-Theater im Theater. Oder so ähnlich.

In "Verschwörung Kubelka" zeigt das Regisseurinnenduo Philine Velhagen und Barbara te Kock den Pathos-Zuschauern nicht zum ersten Mal, dass es an Theatersport glaubt. Doch diesmal hört ihr Gedanken-Stretching gar nicht mehr auf, und der Eindruck entsteht, dass hier etwas Unfertiges für voll genommen wird. Ihr neues Stück ist im angeregten Grübeln zum Thema Ich-und-mein-Klischee stecken geblieben. Dass trotz des überstrapazierten Regiekonzepts die Geduldsbänder nicht reißen, ist Elan und Elastizität der fünf Schauspieler Angelika Fink, Angelika Krautzberger, Jean Claude Mawila, Mirco Monshausen und besagter Susanne K. zu verdanken, mit denen sie ihren Schwindel verbreiten. Und der ist wirklich absurd: Man finde fünf Typen, die ungleicher seien als diese Susanne Kubelka.

Bis 30. September, 20.30 Uhr, Dachauer Str. 110 d. Tel. 089/12 11 10 75.

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