Theaterfestival "Act In" ging mit Palitzsch-Premiere zu Ende

- Luxemburg/Trier - Der für sein radikal-politisches Theater bekannte Regisseur Peter Palitzsch - Wegbegleiter Bertold Brechts - hat mit Erfolg erstmals ein eigenes Drama inszeniert. In "Drei kurze Texte mit tödlichem Ausgang" schilderte der 85-Jährige zum Abschluss des am Sonntag zu Ende gegangenen zweiwöchigen europäischen Theaterfestivals "Act In" in Luxemburg bewegende und erschütternde Szenen von Gewalt. Palitzsch war als Deutscher allerdings die Ausnahme unter den elf Autoren kleiner Sprachräume, deren Arbeiten für "Act In" eigens ins Französische oder Deutsche übersetzt worden waren.

<P>Palitzsch behandelte politische Konflikte in Argentinien, die Judenverfolgung im Dritten Reich und zuletzt die Faszination der Todesstrafe in einer Adaption von Franz Kafkas "In der Strafkolonie". "Es geht immer wieder darum, wie man in die Speichen der Gewalt kommt", erklärte der Regisseur. "Act In"-Chef Jean-Paul Maes will mit dieser Art ruhigen und nicht nur auf Originalität ausgerichteten Theaters auch künftig Denkanstöße geben. Für das von der Europäischen Union mitfinanzierte Spektakel sollen deshalb bei der Neuauflage in zwei Jahren erstmals Auftragswerke an Autoren vergeben werden.</P><P>"Niveau und Resonanz auf das Festival sind in diesem Jahr bedeutend größer als bei der Premiere vor zwei Jahren", sagte Maes. Die durchweg politischen und oft mit dichten Monologen gespickten Theaterstücke berührten Themen wie Flucht, Weggehen und Ankommen, aber auch den Verlust von Heimat. So versuchte die kroatische Autorin Lydia Scheuermann in "Marijas Bilder", das Trauma von Massenvergewaltigungen der Frauen und Kinder während des Balkankriegs aufzuarbeiten. "Das sind abertausende vergessene Schicksale, über die kaum öffentlich geredet, die aber kein Opfer je wieder los wird", sagte die Schriftstellerin.</P><P>Die in ihrer Originalsprache bereits erfolgreichen sozialkritischen Texte der Autoren aus Serbien, Ungarn, Slowenien, Bosnien, Portugal und Luxemburg sollen eine Brücke zwischen Politik und Kunst schlagen. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht klare politische Aussagen, sondern die Folgen von Politik und Krieg.</P><P>Bei dieser kulturpolitischen Kontaktbörse kamen in der deutsch-luxemburgisch-französischen Region Autoren, Übersetzer sowie gestandene und junge Schauspieler zusammen. Mit Humor und Bitterkeit gleichermaßen begaben sich die Theatermacher auf eine Spurensuche nach Veränderungen in den Ländern. "Der westliche Blick auf die Umwälzungen anderswo erfasst ja eben meist nicht die volle Dimension der Probleme", meinte Maes, der selbst Autor und Regisseur ist.</P><P>Auch nach dem Ende des Festivals, das am Sonntag mit einem Theaterfest zu Ende ging, bleiben die Aufführungen in den Repertoires der vorwiegend kleinen Spielstätten in Trier, Luxemburg und im lothringischen Thionville erhalten. Einige Produktionen sollen auch an anderen Häusern zu sehen sein, wie Palitzschs Arbeit, die noch in Kassel zu sehen sein wird.</P>

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