Theatinerkirche: Evangelisten werden erneuert

- Wallendes Gewand, das jugendliche Gesicht aufschauend, den Finger wegweisend erhoben, ihm zu Füßen der obligatorische Adler: Johannes, der Evangelist. Nahezu unbeachtet stand er jahrzehntelang ganz oben auf den Altar des südlichen Seitenschiffes. Dabei gebührt ihm ein zentraler Platz an der Chorschranke der Münchner Theatinerkirche. Als man ihn im Zuge der Kirchen-Restaurierung entdeckte und richtig postieren wollte, war man entsetzt: Die Holzskulptur war in gar keinem respektablen Zustand mehr. Und erst seine drei Kollegen: Markus mit dem Löwen harrte nicht minder ramponiert seines Schicksals. Von Lukas und seinem Stier fand man nurmehr Fragmente. Matthäus samt Engel waren bzw. sind komplett verschollen.

Seit den Schäden vom Luftangriff 1944 hat sich keiner mehr darum gekümmert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie ihr Ableger, die Baudenkmal-Stiftung München, haben sich nun der Evangelisten angenommen. Jeweils 10 000 Euro für die Restaurierung von Markus und Johannes, 58 000 Euro für die Rekonstruktion Lukas' sowie 95 000 Euro für einen neuen Matthäus gemäß alten Fotos sollen berappt werden. 20 000 Euro für zwei Figuren sind nach einem Benefizkonzert gesichert und die Aufträge teils an die TU München vergeben.Einstweilen hüten zwei Statuen und zwei Papp-Rekonstruktionen den Altar. 3,50 Meter hoch sind die Evangelisten, die der Münchner Hofbildhauer Balthasar Ableithner vor der Altarweihe 1675 schuf. Momentan platzt die Farbe an allen Ecken und Enden ab, alte Restaurierungen brechen wieder aus, deutliche Brandspuren sind zu sehen, manche Teile fehlen ganz. Die Wiederherstellung wird also einige Jahre dauern. Zudem hat das Kulturreferat der Erzdiözese einen Wettbewerb ausgeschrieben, um das zerstörte Presbyterium neu zu gestalten, das einst so tragend für den Gründungsbau des süddeutschen Barocks war.Für die Altargestaltung erhalten Kirchenstiftung und Ordinariat keine staatlichen Zuschüsse. Deshalb springt die Stiftung Denkmalschutz in die Bresche. Die Baudenkmal-Stiftung München hat seit ihrer Gründung 2001 bisher 5500 Gönner. Weitere Projekte sind laut Vorsitzender Peter-Christian von Taysen die Kirche St. Lukas, St. Bonifaz, die Salvatorkirche und der Löwenturm.

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