Mann droht mit Bomben: Entwarnung nach Großeinsatz in München und Ingolstadt

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Über den Rückzug des Dirigenten Thomas Hengelbrock von der Bayreuther "Tannhäuser"-Produktion hat sich sein Kollege und Einspringer Christian Thielemann (Foto) "erstaunt" gezeigt.

Thielemann: „Ich helfe gern in Bayreuth“

Nicht nur aus dem Festspielorchester ist Aufatmen zu vernehmen: Christian Thielemann übernimmt in diesem Bayreuther Sommer neben der Premiere des „Fliegenden Holländers“ auch den „Tannhäuser“.

Die offizielle Version: Thomas Hengelbrock, 2011 Premieren-Dirigent des „Tannhäusers“, hat seinen Vertrag nun doch nicht unterschrieben. Von großem musikalischen Zwist wird berichtet. Nachdem Sebastian Baumgartens Regie-Unfall auf einhelligen Widerstand stieß, ist diese Produktion mit Thielemann plötzlich wieder interessant geworden.

Sind Sie die letzte Rettung für eine gescheiterte Produktion?

Ich helfe gern in Bayreuth, wenn ich kann. Bayreuth liegt mir einfach am Herzen. Ich hatte mich eigentlich auf einen etwas bequemeren Sommer eingestellt, da ich ja nur für den „Holländer“ geplant war. Wissen Sie, was witzig ist? Beides sind Dresdner Stücke. Und dann sitzen auch noch 35 Leute meiner Staatskapelle im Festspielorchester. Man ist da also schon sehr zu Hause.

Es gab wohl auch musikalische Gründe für Hengelbrocks Trennung von Bayreuth. Können Sie das nachvollziehen?

Mich erstaunt das eher, dass man sich angeblich über zu viele wechselnde Orchestermitglieder in Proben und Aufführungen geärgert hat. Ich kann so etwas aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Der weitaus größte Teil der Besetzung bleibt konstant. Kurzfristige Ausfälle oder Wechsel kommen immer vor. Das ist eben so am Theater! Gegen Ende der Festspiele müssen manche allerdings zurück in ihr Heimatorchester. Dass es da einen Wechsel gibt, ist völlig normal. Außerdem: Die Bayreuther sind das beste Wagner-Orchester der Welt. Da kann mir keiner weismachen, dass einer den „Tannhäuser“ nicht kann. Ich muss die Festspielleitung hier in Schutz nehmen: Ich kenne dort nur hochprofessionelle Leute.

Was verändern Sie?

Wir machen alle Striche wieder auf. Das betrifft zum Beispiel das Venusberg-Lied im ersten und Tannhäusers „Erbarm dich mein“-Rufe im zweiten Akt. Ich knüpfe dort an, wo ich vor fünf Jahren bei meinem letzten Bayreuther „Tannhäuser“ aufgehört habe. Wir wollen doch mal sehen, ob wir einen „Tannhäuser“ hinbekommen, der hörbar ist.

Es gab auch Kritik an der Sängerbesetzung. Bleibt die konstant?

Davon gehe ich aus. Bislang wurde kein Sänger ausgetauscht – abgesehen von der Venus, aber das war ja bekannt. Ich habe im vergangenen Jahr die Premiere nur im Radio gehört. Und da eine Premiere ohnehin der Ausnahmefall mit einer riesigen Nervenbelastung ist, weigere ich mich, das genau zu beurteilen. Ich denke, dass bei einer sängerfreundlichen Begleitung viel aus der Besetzung herauszuholen ist.

Haben Quereinsteiger wie Thomas Hengelbrock, der ja aus der Alten Musik kommt, demnach in Bayreuth keine Chance?

Es dreht sich nicht darum, woher einer kommt. Es ist entscheidend, dass im Graben ein Kapellmeister steht. Praxis, Praxis, Praxis und noch viel mehr Handwerk, das ist es, was in Bayreuth zählt. Horst Stein, Heinrich Hollreiser, Herbert von Karajan, Wilhelm Furtwängler, das waren alles hervorragende Kapellmeister.

Sebastian Baumgarten ist das Gegenteil von den Regisseuren, mit denen Sie zusammenarbeiten. Sind Konflikte programmiert?

Ich will mich nicht in die falsche Ecke drängen lassen. Ich arbeite gern mit sehr verschiedenen Regisseuren zusammen. Ich sehe dem mit gespannter Gelassenheit entgegen. Und ich nehme an, dass Herr Baumgarten auch eine Entwicklung macht. Er wird etliches ändern. Ich vertraue darauf, dass er ein Profi ist, ein kluger, handwerklich guter Regisseur – und dass er sich dieser Herausforderung stellt. Jetzt ist der Ball bei Herrn Baumgarten.

Kirill Petrenko hat offenbar für den „Ring“ in Bayreuth noch nicht unterschrieben. Spielen Sie 2013 auch den Retter?

Das will ich ausschließen. Was ich höre, ist man sich in dieser Sache sehr einig.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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