Blick nach Osten: Christian Thielemann verlässt zum Ende der Spielzeit die Münchner Philharmoniker und wird im Jahr darauf Chef der Staatskapelle Dresden. foto: gebert/ dpa

Thielemann präsentiert seine letzte Münchner Spielzeit

München - Am Ende steht ein Walzer. Ein vergifteter, und dann auch noch in der Fremde: Das Wiener Gastspiel der Münchner Philharmoniker am 1. Juni 2011 ist zugleich das Finale der Ära Christian Thielemann.

Den Abend beschließt Ravels „La Valse“, in dem ein Tanz lustvoll zerhäckselt wird – keine programmatische Aussage, wie Thielemann bei der Vorstellung seiner letzten Münchner Spielzeit versicherte. „Wir spielen das so, dass da nichts zu Bruch geht. So endet die Saison in Heiterkeit.“

Doch so ganz heiter scheint der GMD nicht gestimmt. Thielemann verteidigte ein weiteres Mal sein Pochen auf „Chefstücke“. Ein Orchester müsse stark geprägt werden können. Wie sehr diese Arbeit Früchte trage, sehe man doch an den jüngsten Beethoven-Abenden. „Ich kann denen nicht beipflichten, die meinen: Da müssen mehr Köche an den Brei“, sagte Thielemann. „Und wenn jemand meint, eine solche Arbeit geht ohne Verwerfungen ab, kann ich nur sagen: Willkommen im Leben.“

Ganz seiner Linie treu bleibend setzt Thielemann in der Spielzeit 2010/11 die Auseinandersetzung mit den Klassikern fort. Alle vier Brahms-Symphonien sind darunter, Strauss-Lieder mit Christine Schäfer und französische Impressionisten. Doch es gibt auch eine große Premiere für ihn: Erstmals dirigiert Thielemann im Oktober 2010, fast exakt hundert Jahre nach der Münchner Uraufführung, Gustav Mahlers Achte, die „Symphonie der Tausend“. In späteren Konzerten folgen dann noch Mahler-Lieder sowie das Fragment der zehnten Symphonie. In diesem Zusammenhang planen die Philharmoniker (ähnlich wie die Kollegen vom BR) anlässlich des 150. Geburtstages von Mahler 2010 bzw. seines 100. Todestages 2011 einen auf zwei Jahre angelegten Zyklus. „Ich selbst habe ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Mahler“, räumt Thielemann ein. Die Art, wie er dirigiere, seine Eigenheit, so viele Details als möglich ans Licht zu holen, all das stehe eigentlich einer guten Mahler-Interpretation entgegen. „Ich bewundere Kollegen, die das mit einer gewissen Noblesse tun. Davon habe ich noch nicht genug.“

Bekanntlich soll auf Thielemann in der Spielzeit 2011/12 Lorin Maazel folgen. Auch wenn sich noch kein Philharmoniker-Chef nach dem dreijährigen Intermezzo des Altmeisters abzeichnet: Das Schaulaufen hat begonnen. Und das mit einer Reihe aufstrebender Dirigenten, von denen der jüngste, der Franzose Lionel Bringuier, erst 24 Jahre alt ist und das Sinfonieorchesters im spanischen Valladolid leitet. Verpflichtet wurden zudem der Amerikaner James Gaffigan (31, Lucerne Symphony Orchestra), der Este Kristjan Järvi (38, Baltic Youth Orchestra), der Grieche Teodor Currentzis (38, Oper von Novosibirsk) und der bei den Philharmonikern schon bekannte Slowake Juraj Valcuha (34, RAI-Orchester Turin).

Ansonsten konnte man noch Stars wie Christoph Eschenbach, Thomas Hengelbrock, David Zinman und Kent Nagano verpflichten. Ehrendirigent Zubin Mehta ist mit Mahlers Erster vertreten und wird das Ensemble auf einer Südamerika-Tournee leiten. Und dass Thielemann nach 2011 an die Isar zurückkommt, ist schon gut möglich: dann aber als Gast des BR-Symphonieorchesters oder mit seiner Staatskapelle Dresden.

Informationen

unter www.mphil.de.

Markus Thiel

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