Thielemann und Tarif

- Den Münchner Philharmonikern stehen möglicherweise weitere Kürzungen bevor. Ein Sprecher der Stadtkämmerei bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass durch die Tariferhöhung dem öffentlichen Dienst Gelder in Millionenhöhe fehlen werden. Für das Orchester bedeutet das 2004: ein Loch von 754 000 Euro; sie sind im Kulturhaushalt nicht vorgesehen. Geht es nach dem Referat von Lydia Hartl, die gestern nicht zu erreichen war, sollen die Mehrkosten aus anderen Töpfen der Stadt bezahlt werden.

<P>"Wir haben das Geld einfach nicht. Es gibt keine Möglichkeit, noch mehr zu sparen", sagt Karin Sommer, Sprecherin des Kulturreferats. Die Stadtkämmerei lehnt es ab, den Philharmonikern zu helfen. "Jede Institution bringt das Geld selbst auf", so Felix Gertkämper.</P><P>Auch in der SPD-Fraktion gibt es Pläne, dass die Philharmoniker die Summe einsparen sollen. "Im allgemeinen Haushalt ist nichts zu machen, und den Kulturhaushalt neu umzuschichten, kommt nicht in Frage", sagt Monika Renner, kulturpolitische Sprecherin der SPD. Es sei "nicht verantwortbar", zu Gunsten des Orchesters umzuschichten. Bei den Philharmonikern selbst sieht man dagegen keinerlei weitere Einsparmöglichkeiten. "Wir leisten bereits einen Konsolidierungsbeitrag von sieben Millionen Euro von 2002 bis 2006", wehrt Intendant Bernd Gellermann ab. </P><P>"Wenn wir die Tarifsteigerung alleine aufbringen müssen, wird der neue Dirigent Christian Thielemann 2004 nicht kommen." Grund für Gellermanns Befürchtung ist eine im Vertrag zwischen der Stadt und dem Dirigenten festgelegte Ausstiegsklausel. Sollte die Zahl der Philharmoniker unter 120 sinken, hat Thielemann das Recht zu gehen. Das bisherige Konsolidierungskonzept sieht eine Orchesterstärke von 120 Musikern vor: "Die wird dann nicht zu halten sein."</P><P>In der SPD ist man sich des Problems bewusst. "Herr Thielemann muss überlegen, ob sein Engagement in München von 120 Musikern abhängt", meint Renner. Es sei schwierig, aber die Finanzsituation lasse keine andere Wahl zu. "Wo soll denn sonst eingespart werden? Wenn das Bücherei-Begehren durchgeht, kommen ohnehin enorme Zusatzbelastungen auf uns zu." Das sieht Siegfried Benker, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, anders: "Wir wollen auf jeden Fall die Spitzenqualität der Philharmoniker halten. Mit uns wird es keinen Vertragsbruch geben." Das Geld müsse bei andern Projekten eingespart werden. Nur die Büchereien sollten davon ausgenommen bleiben. Thielemann müsse aber kommen.</P><P>Der Dirigent selbst hält sich bedeckt. Ob Thielemann auch nach München kommt, wenn die Zahl der Musiker unter 120 fällt, wollte dessen Agent Till Janczukowicz nicht kommentieren. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Stadt an die vereinbarten Konditionen hält." (S. Kommentar.) <BR></P>

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