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Vor 40 Jahren begann seine Karriere genau hier - im Radio: Thomas Gottschalk in den Anfangsjahren beim BR.

Thomas Gottschalk heute Abend zurück in Bayern 1

Willkommen daheim, Thomas!

Er ist der Kenner für Rock- und Popmusik der vergangenen Jahrzehnte: Über 20 Jahre lang prägte Ulli Wenger Bayern 3 als Chef vom Dienst und CD-Macher seiner beliebten „One Hit Wonder“. Er kennt den Sender so gut wie kaum ein anderer – und freut sich als bekennender Fan besonders über Thomas Gottschalks Rückkehr an diesem Sonntag um 19.05 Uhr in Bayern 1. Ein Willkommensgruß.

Lieber Thomas Johannes,

Der Stenz und der Streber: Thomas Gottschalk und Günther Jauch 1985.

willkommen zu Hause beim BR, dort, wo Deine Karriere vor 40 Jahren begann! Ab Mai 1977 läuft Deine erste Show „Pop nach acht“ in Bayern 3, dreieinhalb Jahre lang. Du bist jeden Abend auf Sendung, auch am Wochenende, bist nie krank, höchstens mal im Urlaub. Du weckst das deutsche Radio aus dem Dornröschenschlaf der spießigen Nachkriegszeit, sprichst so, wie Dir Dein oberfränkischer Schnabel gewachsen ist. Bist kein gestelzter Sprecher, sondern mit Deinen lockeren Sprüchen zum Greifen nah. Legst englische Pop- und Rockmusik auf, wo sonst nur deutscher Schnulzenschlager ertönt – und brennst Dich so ins kollektive Gedächtnis vieler bayerischer Teenager.

Du entdeckst Chris de Burgh fürs Radio und Fritz Egner als einen Deiner Nachfolger am Mikrofon, erkennst das Talent des blutjungen Günther Jauch und kochst mit Alfons Schuhbeck im Radiostudio, bevor es im TV Mode wird. Zeitgleich Deine ersten Gehversuche im Fernsehen: Ping-Pong bei den „Telespielen“ und als Plattenansager bei „Szene“ und „Pop Stop“.

Revolution im deutschen Radio

Du bist einer der ersten deutschen Hip-Hopper, nimmst 1980 mit Deinen Radiokollegen Frank Laufenberg und Manfred Sexauer (als GLS United) die deutsche Version von „Rapper’s Delight“ auf. Lange vor den ersten Privatradios in Deutschland fährst Du mit Supernase Mike Krüger im mobilen „Piratensender Powerplay“ durchs Voralpenland. Unvergessen auch Deine kleine Nebenrolle als Disco-Türsteher beim Monaco Franze.

Zwei Musikkenner unter sich: Thomas Gottschalk und Ulli Wenger.

Während meines Studiums in Freising-Weihenstephan begeisterst Du mich mit „Thommys Radio-Show“. Dann quatschst Du den seriösen Günther Jauch in die Unterhaltung rein, Eure improvisierten Übergaben (Du Stenz, er Streber) in der „B3-Radioshow“ sind Tagesgespräch auf Schulhöfen und im Büro. Du holst die österreichische Sex-Expertin Gerti Senger ins Studio: Sex-Beratung in Bayern 3, das bringt den Rundfunkrat („Mischung aus Elferrat und Zentralkomitee“) natürlich auf die Palme. Du hast mit Deiner schnoddrigen Art das deutsche Radio revolutioniert und das „Frechsein im Fernsehen erfunden“ (Harald Schmidt). Und Du bist nach Kuli und Carrell unser einziger Showmaster, auch wenn Deine Klamotten gewöhnungsbedürftig sind.

Bevor Du „Wetten, dass..?“ von Frank Elstner übernimmst, moderierst Du für ihn als „Mister Morning“ auch die „Hitparade“ bei Radio Luxemburg. Denke ich heute an Deine Paradeshow, dann vor allem an den letzten großen Auftritt von Heinz „Feuerzangenbowle“ Rühmann, der 1994 in Linz schon sehr wackelig auf die Bühne kommt und minutenlang Standing Ovations vom Saalpublikum erhält. Die Gummibärchen auf dem Couchtisch haben mich übrigens stets an meine Heimat Bonn erinnert!

So manche Situation gerettet

Du etablierst auch die Late-Night-Show im deutschen Fernsehen und ebnest „Dirty Harry“ den Weg. Bei Dir trifft die polnische Pornoqueen Teresa Orlowski auf Marcel Reich-Ranicki. Der Literaturpapst ist Dein Freund und Telefonjoker, als Du bei Jauchs Millionenfrage nicht weiter weißt und er Dir die richtige Antwort souffliert. Als Marcel Reich-Ranicki 2008 den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk verweigert, weil er bei der Verleihung „zu viel Blödsinn“ gesehen hat, rettest Du die Situation und bietest ihm als Ersatz eine TV-Diskussion über die Qualität des Fernsehprogramms an.

Dass Du auch gut schreiben kannst, zeigt Deine Bestseller-Biografie. Mir war das schon immer klar, schließlich habe ich Deine Kolumnen in der Bunten immer gerne gelesen. Sogar als One-Hit-Wonder konnte ich Dich im Radio würdigen: 2001 fragtest Du Dich als besorgter Vater und Freund von Status Quo und Deep Purple: „What happened to Rock’n’Roll?“ Die Antwort Deiner Fans: Platz vier der Hitparade. Inzwischen bist Du „herbstblond“ und besinnst Dich wieder auf Deine Wurzeln. Als „Radiorampensau“ (Günther Jauch) startest Du an diesem Sonntag um 19.05 Uhr in Bayern 1 mit „Back Home“ von Golden Earring (1970). Ich bin dabei, den „Tatort“ nehme ich auf. So, jetzt muss ich Schluss machen, brauche dringend noch Gummibärchen für Dein „Coming Home“!

Dein Ulli

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