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Ticket nach Hollywood

In Toronto dabei zu sein, ist eine gute Voraussetzung für ein Ticket nach Hollywood. Zu dem renommierten kanadischen Filmfestival wurden diesmal besonders viele Regisseure aus Bayern geladen.

Die Zeiten, in denen Hollywoodstars zwanglos durch das Ausgehviertel Yorkville streiften und dabei auch mal mit gewöhnlichen Sterblichen in Kontakt kamen, sind zwar vorbei, dennoch genießt Toronto weiterhin den Ruf, ein gelassenes Fest zu sein, bei dem man Spass haben kann. Während Cannes, Berlin und Venedig seit Jahrzehnten um den Titel des bedeutendsten Festivals ringen, hat sich Toronto unaufdringlich an allen dreien vorbei als wichtigster Treffpunkt der internationalen Filmbranche etabliert. Nicht nur wegen der Prominenz, die hier in atemberaubendem Tempo durchgereicht wird. Vor allem wegen der Bedeutung als Umschlagplatz für die Ware Film.

Alle wichtigen Studios, Produzenten und Verleiher sind da. Und zwar um Geschäfte zu machen. Hier wird mit aufwändigen Produktionen wie "Rachel Getting Married" von Jonathan Demme oder "The Wrestler" von Darren Aronofsky die Oscar-Saison eröffnet, und hier besichtigen die US-Studio-Gewaltigen ausländische Talente.

In Toronto dabei zu sein, ist eine gute Voraussetzung für ein Ticket nach Hollywood. Der Münchner Marco Kreuzpaintner etwa hatte vor vier Jahren mit seinem Erstling "Sommersturm" für Aufsehen gesorgt und konnte danach prompt mit internationaler Starbesetzung einen US-Film drehen. Sein dritter Film "Krabat" feiert nun seine Weltpremiere in Toronto und wird mit wohlwollender Neugierde erwartet. Oscar-Gewinnerin Caroline Link bekommt für "Im Winter ein Jahr" sogar eine Ehren-Gala in der riesigen Roy-Thompson-Hall. Keine geringe Ehre, dort werden sonst gerne große Hollywood-Filme gezeigt. Aber eben nicht nur, und das macht bei allem Kommerz immer noch den Charme des Festivals aus. Festivalchef Piers Handling balanciert geschickt zwischen den handfesten Interessen der Filmindustrie und cineastischem Anspruch. Er weiß, dass er mit spektakulären Prestige-Produkten aus Hollywood die Aufmerksamkeit erregt, die er benötigt, um Festivalstimmung zu erzeugen.

Das Programm ist exzellent zusammengestellt, und auch Nicht-Cineasten vertrauen auf die Auswahl des Festivalteams. So kommt es, dass selbst unorthodoxe oder sperrige Filme ihr Publikum finden. Im Vergleich tun sich deutsche Filme dabei übrigens leicht: Deutsche Regisseure genießen hier einen guten Ruf; und Toronto dokumentiert schon seit Jahren das Filmschaffen in Deutschland gewissenhaft. Festivalchef Handling kennt sich gut aus in der deutschen Szene. Dieses Jahr hat er unter anderem Christian Petzold mit seinem Spielfilm "Jerichow", Max Färberböck mit "Anonyma" und Hans Steinbichler mit seiner Arbeit "Die zweite Frau" eingeladen.

Am sympathischsten an Toronto ist aber wahrscheinlich, dass sich Handling den Eiertanz spart, den die Konkurrenz anderswo immer um den Eröffnungsfilm aufführt. Traditionell beginnt das Festival immer mit einem kanadischen Film - unabhängig davon, ob Stars mitspielen oder ein großes Studio dahintersteht. Dieses Jahr ist es dasWeltkriegsdrama "Passchendaele" von Paul Gross, der die Kriegserinnerungen seines Großvaters verfilmt hat.

Die Kanadier sind sehr stolz darauf, dass sich ihr Festival keinen Hollywoodfilm zur Eröffnung aufzwingen lässt.

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