Tief inhaliert

- Er verbrachte einige Monate in New York - so viel ist sicher -, jetzt ist er zurück im alten Europa. Doch ob's die Folgen von zu viel "Gras" sind, die ihn so aufgeputscht wirken lassen, oder ob das bei diesem Mann ganz normal ist, darüber darf gegrübelt werden. Aber nicht zu lang, sonst hat man die nächste Pointe verpasst. Michael Mittermeier ist zurück und liefert mit "Paranoid" im Münchner Lustspielhaus ein "High Speed"-Programm zum Ablachen (Regie: Thomas Hermanns).

<P>Kiffen erweitere das Bewusstsein, so wird behauptet. Der Comedian aus Dorfen (Landkreis Erding) muss also tief inhaliert haben in seiner Bude in der fernen Metropole (die er mit einigen ebenfalls drogenerfahrenen Riesenkakerlaken teilte), denn er stellt Zusammenhänge her, die bei hastigem Konsum gut zudröhnen. So ist in Mittermeiers animierter Logik der Einsatz eines "Tempomats" sowohl auf der Straße als auch beim Sex durchaus heikel, lässt sich die Menschenrechtskonvention leicht auch auf die Kandidaten bei Castingshows anwenden ("Verwundete und Verstümmelte dürfen nicht im TV gezeigt werden"), und wäre Oliver Kahn vielleicht der durchsetzungsfreudigere Gesprächspartner für George W. Bush als Gerhard Schröder.<BR><BR>So zieht der 37-Jährige die Linie(n) zwischen der großen Politik und den universellen Erfahrungen des Menschen, wobei er bei Letzterem deutlich lieber verweilt. Männer und Frauen und ihre spezifischen Eigenschaften (Schmerzempfindlichkeit!) stehen immer wieder im Mittelpunkt, mit Macken, die jede(r) kennt, erheitert Mittermeier am meisten. Gerne auch mit derben Scherzen.<BR><BR>Den jugendlichen Revoluzzer kultiviert</P><P>Was da nicht per se berauscht, bekommt seinen Kick durch das irre hohe Tempo. Mit orgelndem Lachen reißt der Star nicht zuletzt sich selbst mit, kultiviert ("Hey!") notorisch den jugendlichen Revoluzzer, den rotzfrechen Softie mit Abitur, der ganz genau weiß, wie er sein Publikum in Stimmung bringt.<BR>Was immer zieht, ist der sezierende Blick in die Glotze, was vor allem am Ende eher ernüchtert, ist der Versuch, den Trip durch Bibel, Jesus und jüngstes Gericht theologisch anzureichern. Da lässt die Wirkung seiner Kunst doch schnell nach. Aber zu viel Dope hätte ja auch einen dicken Kopf zur Folge. Und wer will den schon haben nach einem solchen Abend?</P><P>Bis 3. April, außer Sonntag, um 20.30 Uhr. <BR>Tel.: 089/34 49 74<BR></P>

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