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Franz Marc: „Zwei Katzen“ (1913), die Postkarte ging an Lilly Klee in München.

Tiefe Menschlichkeit - Franz Marc in Kochel

Kochel am See  - Das Marc-Museum in Kochel am See zeigt die Schau „Paul Klee – Franz Marc: Dialog in Bildern“.

„Welche Scham über die Vernichtung auf beiden Seiten!“, klagt Paul Klee im Dezember 1914 in einem Brief. Im August hatte der Erste Weltkrieg begonnen, in dem Deutsche gegen Franzosen und umgekehrt wüteten. Dem halben Schweizer (Mama) und halben Bayern (Papa) fehlte die Kriegsbegeisterung, die viele Intellektuelle damals ergriffen hatte. Er sah den bestialischen Militarismus, die Vernichtungsmaschinerie und die Sinnlosigkeit, dass plötzlich Freunde aufeinander losgingen.

In einem Kabinett der Ausstellung „Paul Klee – Franz Marc: Dialog in Bildern“ im Kocheler Franz Marc Museum, die ab Sonntag zugänglich ist, zeigt sich Klees (1879-1940) politisch wacher, illusionslos pessimistischer Zugriff. Daneben Franz Marc (1880-1916). Seine Arbeiten kreisen das Leid ein, indem sie die Qual verendender Tiere darstellen, aber auch Explosion und Zerstörung. Er selbst hatte, wie viele, auf eine „Reinigung“ durch den Krieg gehofft. Im November 1915 ist ihm freilich anders zumute.

Klee notiert in sein Tagebuch: „Tiefer Ernst ging von ihm aus und er sprach wenig.“ August Macke war schon vor einem Jahr gefallen, und Marc wird am 4. März 1916 tödlich verwundet werden. Eine innige und fruchtbare Freundschaft war damit schwer getroffen, die Familien blieben sich aber über Franz’ Tod hinaus verbunden. Im Februar 1912 hatten sich Klee und Marc bei der Planung der zweiten Blauer-Reiter-Ausstellung in der Münchner Galerie Goltz kennengelernt. In der Kocheler Schau (mit der Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle, und dem Berner Zentrum Paul Klee) sind vor allem Gemälde, Aquarelle und Gouachen sowie Zeichnungen aus dieser Zeit bis 1916 zu sehen. Insbesondere auch die berühmten Postkarten: bezaubernd von Marc, strahlend wie bunte Kirchenfenster, witzig und frech bekritzelt von Klee, dem unerschöpflich schöpferischen Zeichner.

Innige, kurze Freundschaft

Nicht nur solch offensichtliche „Dialoge“ macht Museumschefin Cathrin Klingsöhr-Leroy deutlich, sondern sie lässt in erster Linie die Bilder sprechen. Man wolle zeigen, wie unterschiedlich die Künstlerpersönlichkeiten seien, wo sie zusammenträfen und „wie genau sie beobachtet haben, was der andere tut“. So nimmt Klee das Marc’sche Motiv, das Pferd, auf, jedoch in lockerer, ja ein wenig humoristischer Form. Während die verschiedenen Rösser von Marc – zwischen traditionell über magisch bis fast abstrakt kubistisch – stets die Aura des Respekts behalten. Deswegen sind auch in dem Kabinett, in dem es um religiöse Inhalte geht, von Franz Marc vor allem Tierdarstellungen zu sehen: jene in einem Kreisbogen quasi in sich gekehrten Wesen. Paul Klee nähert sich im Zusammenhang mit dem Projekt einer illustrierten Bibel zum Beispiel den Psalmen ungegenständlich. Oder lässt bei „Agnus dei qui tollis pec. mundi“ (Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt) aus dem Kopf einer Figur eine Art Lebensbaum herauswachsen.

In Kochel ist so eine Künstler-Diskussion entstanden, die in ihrer Farbfröhlichkeit und Menschlichkeit den Besucher enorm bereichert. Und obendrein eine schöne Ergänzung ist zu „Der Blaue Reiter“ im Münchner Kunstbau.

von Simone Dattenberger

27. Juni bis 3. Oktober 2010
Di.-So. 10-18 Uhr
Telefon 08851/ 92 48 80
Katalog, Nimbus Verlag: 29 Euro.

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