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Enoch zu Guttenberg wurde aus den Vorbereitungen zu den Herrenchiemsee Festspielen gerissen.

Nachruf auf Enoch zu Guttenberg (1946-2018)

Tiefe Trauer um den „Guttei“

Nicht nur in der Gemeinde Neubeuern sitzt der Schock tief: Der Chorleiter und begeisterte Dirigent Enoch zu Guttenberg ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf: 

Musiker, Kämpfer, Enthusiast. So hat er sich gerne selbst beschrieben. Und wer Enoch zu Guttenberg einmal persönlich erlebt hat – sei es am Dirigentenpult oder im privaten Gespräch –, wird dies ohne Einwand unterschreiben. Erst vor wenigen Wochen hatte er voller Tatendrang das Programm seiner Herrenchiemsee Festspiele vorgestellt, bei denen er unter dem Motto „Europa!“ nicht nur musikalische Akzente setzen, sondern auch zu Diskussionen anregen wollte. Die Nachricht vom ebenso plötzlichen wie unerwarteten Tod Guttenbergs trifft wenige Wochen vor seinem 72. Geburtstag nun nicht nur die Familie, sondern ebenso Freunde, Kollegen und Bewunderer des Dirigenten.

„Der Guttei“ vor seiner Chorgemeinschaft Neubeuern, die er weltweit bekannt machte.

Vor allem in seiner Wahlheimat Neubeuern, deren Namen Guttenberg zusammen mit der von ihm gegründeten Chorgemeinschaft weltweit bekannt gemacht hat, sitzt der Schock tief. Hier war man mittendrin in den Vorbereitungen zu den anstehenden Konzerten mit Haydns „Schöpfung“ in Berlin oder dem „Verdi-Requiem“ beim Rheingau Musikfestival, die nun ohne „den Baron“ stattfinden müssen. Und man kann nur hoffen, dass die Begeisterung, die er an seine Truppe weitergab, auch nach diesem schmerzvollen Einschnitt weiterleben wird. Darf die Arbeit mit der Chorgemeinschaft Neubeuern, deren Leitung er 1967 als junger Korrepetitor übernahm, doch als einer seiner größten Verdienste gelten. Über fünf Jahrzehnte verwandelte „der Guttei“, wie man ihn hier liebevoll nannte, einen ambitionierten Laienchor in ein international renommiertes Ensemble, mit dem er unter anderem in der New Yorker Carnegie Hall oder dem Wiener Musikverein zu Gast war. Später ergänzt durch das Orchester der KlangVerwaltung, mit dem er seine historisch informierten Interpretationen weiter verfeinerte: Beethoven, Mozart, Bruckner und immer wieder die Werke Johann Sebastian Bachs.

Prägender Bach-Interpret seiner Generation

Dass man sich an ihn vor allem als einen der prägenden Bach-Interpreten seiner Generation erinnern wird, war ihm dabei nicht in die Wiege gelegt worden. Bezeichnete Guttenberg sich doch selbst augenzwinkernd als Schwarzes Schaf einer fränkischen Adelsfamilie, deren Mitglieder sich sonst vor allem in der Politik einen Namen gemacht haben. Wäre es nach dem Willen des Vaters gegangen, hätte auch er Betriebswirt oder Jurist werden sollen. Doch wusste er immer gut mit Gegenwind umzugehen und seinen Kopf durchzusetzen.

Rückgabe des Echo-Klassik

Wie fast alle großen Musiker war auch Guttenberg ein Mann, der polarisierte und unbequem war, wenn es um die eigenen Überzeugungen ging. Und das nicht nur in Fragen der musikalischen Interpretation. So war er einer der Ersten, der nach dem Echo-Skandal seinen Preis zurückgab und angesichts seiner Enttäuschung über die viel kritisierte Juryentscheidung nicht mit klaren Worten sparte. Ebenso deutlich konnte er allerdings werden, wenn es um sein zweites großes Thema, den Klimawandel, ging. Schon 1975 war er als Gründungsmitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz an vorderster Front mit dabei und mischte sich gerne in Diskussionen ein. Selbst zum Wiedereintritt in die CSU, die er 1992 wegen inhaltlicher Differenzen verlassen hatte, konnte ihn sein Sohn Karl-Theodor nach langem Hin und Her überreden. Weil sich Dinge eben leichter von innen heraus ändern lassen.

Engagierter Umweltschützer

Für sein Engagement erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz, die Bayerische Staatsmedaille sowie den Bayerischen Verdienstorden. Auszeichnungen, die durch zahlreiche Preise für seine Arbeit mit den Neubeurern ergänzt wurden. Den vor einer Woche geplanten Auftritt mit ihnen in der Elbphilharmonie hatte er bereits absagen müssen. So bleibt als eine der letzten gemeinsamen Erinnerungen die österliche Matthäus-Passion in München. Wieder einmal Bach. Dass ihm diese Spezialisierung zuweilen vorgeworfen wurde, hat Guttenberg nie gestört, der seinen Kritikern entgegnete: „Vielleicht bin ich einfach nur ein ganz miserabler Dirigent. Denn ich kann keine Musik dirigieren, die mich nicht bewegt.“

Tobias Hell

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