Tiere sind auch nur Menschen

- Manches nahm er ganz wörtlich: das "politische Urgestein Franz Josef Strauß" als fünffach aufsteigende Bergformation über einer Zwiebelturmkirche, die selbstverständlich im Dorf zu bleiben hat. Oder die Widerlegung der Benennung des zweihöckerigen Kamels als Trampeltier: weil diese innerasiatische Spezies aus der Paarhuferfamilie der Schwielensohler - mit weichem, wiegenden Gang auf samtartigem Sohlenpolster - doch gar nicht trampeln kann. Dieses brave Tier, genügsam seit eh und je, sei recht traurig darüber, "den Deppen für den Menschen" machen zu müssen.

<P>Der 1951 aus der Pfalz nach München übergesiedelte Josef Blaumeiser (1924-88) ließ sich im Wortwitz gern anregen durch die befreundeten Textautoren Hannes Burger, Herbert Riehl-Heyse und Ernst Fischer. Einige seiner satirischen Bücher brachte er mit ihnen gemeinsam heraus. An den erfolgreichen Werbegrafiker Blaumeiser erinnern in der jetzigen Ausstellung des Tegernseer Gulbransson-Museums nur relativ wenige Beispiele: Plakate und Kleindrucksachen für die Bücherschau, die Modewoche, die Riemer Rennbahn, die Kunst- und Antiquitätenmesse. Seine nicht immer verwendeten farbigen Motive für "Hellabrunn, der lustige Tierpark" gliedern sich anlässlich der "Tegernseer Woche" nun schlüssig ein in Blaumeisers überaus sinnfälliges Anliegen "Tiere sind auch nur Menschen".</P><P>Als massenhaft in monströse Architekturen eingezwängte Winzlinge erscheinen menschliche Figuren beim "Gipfeltreffen", wehrhaft unter der Feuerschale des angeblichen Friedens der Olympischen Spiele oder in einem UNO-Hochhaus mit der Last der toten Erde auf dem Dach.</P><P>Blaumeiser war gar kein Zeitungsleser - seine Freunde mussten ihm die aktuellen Vorgänge erst mitteilen und erläutern. Der Vorteil: Sein fadendünner, präzis konturierender, flexibler Strich konzentrierte sich auf das Wesentliche - weit über den Tag hinaus: bei Therese Giehse wie Karl Marx oder Einstein, beim leicht verschnörkelten Churchill, beim Felsgeröll eines Adenauer oder beim übermäßig breit dekorierten F. J. Strauß. Dali blickt traurig aus dem Gewand einer Handpuppe.</P><P>Besonders gut verstand sich Blaumeiser auf den Typus der Josef-Filser-Abkömmlinge, auf den Wastl, den Sepp und die Typen der "Grattler-Oper". Unter den rund 50 Büchern, an denen Blaumeiser als Illustrator mit Cartoons und Karikaturen seit 1975 beteiligt war oder die er in Eigenregie herausbrachte, waren einige Bestseller. Doch nichts geht über die Begegnung mit den Originalen.</P><P>Bis 12. Oktober, außer montags, 11-17 Uhr. Restexemplare des Buches von 1998 gibt es an der Kasse für 20 Euro. Telefon: 08022/ 76 31.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Münchens Gärtnerplatztheater: Ein unfassbares Haus
Zwischen Baustellen, „Joi mamam“ und Oper im L-Format: Blick auf die Geschichte des Münchner Gärtnerplatztheaters, in dem nach fünf Jahren wieder gespielt werden kann
Münchens Gärtnerplatztheater: Ein unfassbares Haus

Kommentare