Die tierischen Seiten des Lebens

- "Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet." Auch die Knollennase, die oberhalb eines dicken Bierbauchs thront und sich selbst den Spiegel vors Gesicht hält. Schön sind derlei Karikaturen von Klaus Oliv (1944-2000) auch. Vor allem aber sind sie liebenswürdig, hintergründig. Gemeine, alberne, allzu wahre Beobachtungen hat Oliv über Jahrzehnte hinweg in sanften Schattierungen und scharfem Strich festgehalten.

<P>Die zarten Zeichnungen mit feinem Spott und frechen Sprüchen, jede Menge Optimismus und vor allem seine unverwüstlichen Schweine machten sich im ganzen Land nicht zuletzt in vielen Kalendern breit. Dass der Künstler erst posthum zum 60. Geburtstag mit einer Retrospektive im Tegernseer Gulbransson Museum geehrt wird, ist das Schicksal vieler Propheten im eigenen Lande.<BR><BR>Ab Sonntag sind über 100 Originalzeichnungen und Cartoons ausgestellt. Was dabei sofort klar wird: Der Künstler, der sich ins hinterste Tal-Eck bei Erlach zurückgezogen hatte, war alles andere als weltfremd. Neben dem Wiedererkennungseffekt im Schweinekabinett sorgen auch Themen wie Sport, Medizin, Philosophie oder der Tod für leise lächelnde Erkenntnis.<BR><BR>Im Rollstuhl rast das fröhliche Schwein den höllisch roten Berg hinunter, weiß leuchtet das breite Grinsen. "Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben." Die tierischen Seiten des Lebens kamen beim Publikum immer besonders gut an. Die andere Seite Olivs allerdings war wesentlich nachdenklicher,  Antihelden  stehen da schiffbrüchig mit ein paar Flaschen Champagner auf einer Scholle im Meer und sinnieren: "Die Lage ist hoffnungslos - aber noch nicht ernst." Poetische Bilder sind es, die, akribisch gezeichnet, in Mischtechnik koloriert, einen heimlichen Denker offenbaren.<BR><BR>Ausflüge ins allzu Wörtliche<BR><BR>"Auf den Bergen ist die Freiheit" steht unter dem Goldfisch im Wasserglas vor der Traumkulisse. Für den Karikaturisten mit dem Künstlernamen "clov" wurde das Tegernseer Tal am Fuße des Wallbergs Sitz der inneren Freiheit. Nach Abbruch seines Jurastudiums ging er auf eine Schule für Werbegrafik, war in München Inhaber einer Werbeagentur und übernahm schließlich 1978 das idyllische Elternhaus. Bücher, Farbfläschchen und Skizzen stapeln sich noch heute unterm Dachgeschoss.<BR><BR>Hier spürte Clov Worthülsen nach, ließ Gletscher im wahrsten Sinn des Wortes kalben. Die meisten Arbeiten entstanden abends und nachts, unzählige Bleistiftskizzen mit Tusche und Aquarell überarbeitet. Es sind Ausflüge ins Absurde, ins allzu Wörtliche, in die kleine Welt des banalen Menschen, der sich mit den Ungeheuerlichkeiten des Lebens konfrontiert sieht.<BR><BR>"Vieles ist wahrscheinlich, denn alles ist möglich" heißt dementsprechend auch der Ausstellungstitel. Ganz in diesem Sinne ist dann auch der Ratgeber zu sehen, der bisher als Heye-Kalender und im Frühjahr in Buchform erscheint: "Der ultimative Weg zu Glück und Erfolg".</P><P>Bis 24. Oktober, Tel. 08022/3338.<BR><BR></P>

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