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Der Großmeister der Kleinkunst: Till Hofmann.

Ohne ihn läuft nix in der Szene

Till Hofmann zeigt uns sein Kleinkunst-Universum

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Lach und Schieß, Lustspielhaus und das Vereinsheim: Till Hofmann ist Mr. Kleinkunst in der Münchner Szene. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet.

München - Sommerloch? Pah! In der tz gibt’s jeden Tag die volle Gaudi, auch in den Ferien, wenn die Kulturszene kürzer tritt. In unserer großen Serie präsentieren wir Ihnen ab heute in ­loser Folge die spannendsten Kleinkunst-Größen der Stadt. Auf geht’s mit dem tz-Sommerlach – und zwar mit Till Hofmann.

Hofmann, der Kabarett-Meister

Hier sehen Sie Münchens Mr. Kleinkunst. Er ist der Meister der Szene und der Meistermacher. Ohne den umtriebigsten Münchner Niederbayern, seit es umtriebige Münchner Niederbayern gibt, läuft nix in der Kabarettszene der Stadt. Till Hofmann (46), sollte man meinen, hat mindestens drei Doppelgänger. Einen für Lach & Schieß, Lustspielhaus und Vereinsheim. Einen für die Musikbühne Milla und das Bellevue di Monaco in der Müllerstraße. Und einen für Großprojekte wie das Festival in Passau, Veranstaltungen im Circus Krone, den Kabarett-Tempel Stadtsaal in Wien oder auch seine Pension in Passau.

Aber: Wann immer man den 46-Jährigen spricht, ist er die Ruhe selbst. Wenn er einen typischen Tag beschreibt, merkt man nicht, wie man so einen ganzen Kulturbetrieb nicht nur am Laufen, sondern auch zum Leuchten bringt. Um halb sieben beginnt der Tag, irgendwann sind „dann die Zwillinge hoffentlich aus dem Haus“ – die sind 14 –, dann geht’s erst ins Café Dukatz. „Dann an die Isar mit dem Hund, wenn der was erledigen muss, oder im Sommer auch mal selbst reinhupfen. Anschließend schlag ich mir die Zeit tot, bis das Baader-Café aufmacht.“ Um halb zehn. Dort wird gefrühstückt.

Müllerstraße, Lach und Schieß

Danach geht’s in den Arbeitstag – derzeit liegen viele Treffen in der Müllerstraße zu Bellevue di Monaco an, wo Hofmann auch für die Baustelle zuständig ist. Nachmittags radelt er ins Büro in der Lach und Schieß. Danach legt er sich aufs Ohr, und wenn er Abenddienst hat zu einer seiner Veranstaltungen, geht’s weiter. Ansonsten? Café. „Es ist ein ständiges Zeitunglesen und Scheitern am Tag und dem Tagesprogramm“, grinst er.

Dass wir von keinem der Künstler, die wir in den kommenden Wochen vorstellen, auch unter der Hand kritische Worte über die Münchner Szene hören: Das liegt auch an Hofmann. Er gibt teils völlig unbekannten Leuten (gerne aus Niederbayern) eine Chance, im Vereinsheim erste Schritte zu tun, falls er das gut findet, was die Bewerber einschicken. Es wird sich um die Künstler gekümmert, auch innerhalb der Szene. „Der Austausch findet wirklich statt und erschöpft sich nicht mit dem Auftritt.“

Die größte seiner Bühnen: Das Lustspielhaus in der Occamstraße.

Was auch daran liegt, dass Künstler, Publikum und Veranstalter nach einem Auftritt in Lustspielhaus oder Lach & Schieß auf ein Bier ins Vereinsheim gehen. Übrigens: „Der Mittermeier spielt seine neuen Programme noch heute grundsätzlich zuerst im Vereinsheim, bevor er den Krone entert. Weil hier die Unmittelbarkeit viel ehrlicher ist.“

Hofmann schwärmt von der Milla in der Holzstraße

Die Mischung macht’s für den Münchner Passauer aus. Mit Großveranstaltungen gleicht er Minus-Geschäfte aus, etwa „die wuide Anfangszeit im Vereinsheim“, wie er sagt. Oder wenn ein Neuer nur 15 Leute anlockt. „Ich bin kein Veranstalter für sichere Leute, wo ich nicht dahinterstehe“, sagt er. „Auf kleinen Bühnen kann auch Welttheater passieren.“ Und dann schwärmt er von der Milla in der Holzstraße, wo „man die Lebhaftigkeit der sich ändernden Szene beobachten kann“.

Verträge auf Jahre hinweg lehnt Hofmann ab – was sich bei manchem Senkrechtstarter ja lohnen würde. „Mach i ned, weil’s a Hurerei is“, sagt er. Und wenn er mal keine Lust mehr hat? „Ich hab viel Geld in meine Pension in Passau gesteckt, das Hornsteiner. Dann werd ich Pensionist.“ Klar: Ohne Kultur geht’s auch im Hornsteiner nicht – Konzerte, Gemälde, Literatur. Lebhaft bleibt’s!

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