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Eislaufen nahm im Leben der jungen Tillie Walden viel Platz ein. Doch ihr Comic-Roman „Pirouetten“ dreht sich nur vordergründig um den Sport.

US-Zeichnerin stellt „Pirouetten“ in München vor

Tillie Waldens berührende Comic-Autobiografie 

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Tillie Walden war ein Eislauf-Talent. Doch mit der Pubertät wurden andere Dinge wichtig. Davon erzählt die US-Amerikanerin in ihrem Comic-Roman „Pirouetten“. 

„Die erste Liebe ist für jeden was Besonderes“, weiß Tillie Walden. Die junge Amerikanerin liebt Frauen, hat in diesem Moment ihr Coming-out jedoch noch vor sich. „Ich erinnere mich nicht an Schmetterlinge oder ein Gefühl von Freiheit“, schreibt sie, „sondern nur an Angst“. Dazu hat sie ein Bild gezeichnet, das sie mit ihrer Freundin eng umschlungen zeigt. Durch ein Fenster fällt gelbes Licht, während der Raum um das Paar in Violett versinkt.

Eine eindringliche Szene, die von der Einsamkeit der Protagonistin erzählt – aber auch von ihrer Stärke kündet, den eigenen Weg gehen zu können. Tillie Walden, Jahrgang 1996, hat im Comic-Roman „Pirouetten“ ihre Geschichte gezeichnet und aufgeschrieben: Mit fünf Jahren beginnt sie mit dem Eiskunstlaufen, sie hat Talent, das Training nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Doch was in Kindertagen Rhythmus und Routine in ihr Leben brachte, gerät auf dem Weg ins Erwachsenenleben immer mehr ins Rutschen. Zwischen dem Druck im Sport und dem Stress zuhause, in der Schule und mit Freundinnen, erkennt die junge Frau, dass sie homosexuell ist.

Tillie Walden mit ihrer Comic-Autobiografie.

Walden erzählt unaufgeregt die Geschichte ihrer Pubertät, ihres Coming-outs, vor allem aber: ihrer Suche nach Selbstbestimmung. Dieser Tonfall macht ihre Autobiografie so lesenswert.

Eindrucksvoll gelungen ist der Künstlerin, die für „Pirouetten“ mit dem wichtigen Eisner-Award ausgezeichnet wurde, auch die grafische Umsetzung. Ihr lakonischer Zeichenstil kommt mit wenigen Details und Farben aus. Eine Zurückhaltung, die dem Buch guttut. Walden spielt dramaturgisch geschickt mit der Anordnung von Räumen und verrät durch die sensible Gestaltung der Panels, also der Einzelbilder, viel über die Figuren und ihre Beziehungen zueinander.

Informationen zum Buch:

Tillie Walden: „Pirouetten“. Aus dem amerikanischen Englisch von Sven Scheer. Reprodukt, 400 Seiten; 29 Euro.

Lesung: 

Tillie Walden stellt ihr Buch am Freitag, 23. November, im Gespräch mit der Münchner Comiczeichnerin Barbara Yelin in der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig vor. Beginn ist um 18 Uhr; Eintritt frei.

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