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Zur Ikone stilisiert: Emilia Marty (Susanna von der Burg) mit Verehrer Jaroslav Prus (Bernd Valentin).

Am Landestheater Innsbruck

"Die Sache Makropoulos"-Premiere: Aus einem Exotenhaus

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Innsbruck - Das Tiroler Landestheater in Innsbruck riskiert erfolgreich Leoš Janáčeks „Die Sache Makropoulos“

Sehr schnell kann das gehen. 337 Jahre lang die blühende Schönheit, ganz ohne Botox, Hormocenta oder sonstige Hautnachjustierung. Und kaum entsagt man der Zauberformel für die ewige Jugend, setzt die Spontanvergreisung ein – will hier heißen: Rollstuhl, Falten und Glatzenresthaar à la Edita Gruberova in „Roberto Devereux“. Realistisch? Eben nicht. So wie dieses ganze sagenhafte Stück um die (fast) unsterbliche Emilia Marty, das ja nur Historisches als Folie braucht, in Wahrheit aber die großen Lebenssinnfragen stellt.

Dass „Die Sache Makropoulos“ gern als Divenvehikel in den Spielplänen auftaucht, weniger als tiefschürfender Regieversuch, hat der Oper von Leoš Janáček eher geschadet. Repertoire-Pflichtübung mit Kassenproblemen, das ist dann meist das Ergebnis. Gut möglich, dass den Innsbruckern da mit ihrer Premiere etwas sehr Eigenes, Besonderes geglückt ist. Noch nie wurde der 110-Minüter am Tiroler Landestheater aufgeführt. Und auf den ersten Blick scheint es, als ob Regisseur Kurt Josef Schildknecht das Schwesterwerk „Aus einem Totenhaus“ spielen lässt: leichenblass geschminkt das Personal, Gesten und Bewegungen leicht überdreht, die Kostüme (Gera Graf) als überzeichnetes Stilzitat, eine Karikaturenparade – und dann doch wieder nicht.

Recht gekonnt bewegt sich der pausenlose Abend (in der neuen deutschen Übersetzung von Kerstin Lücker) auf einem Grat zwischen psychologisch unterfüttertem Spiel und surrealen Wirkungen. Dabei ist die uralte Erbschaftsstreitigkeit, über die Emilia Marty verdächtig Bescheid weiß, gar nicht so entscheidend. Durch das Aufgrellen der Charaktere bleibt man dran an einem Stück, das „dank“ seiner zu komplexen Handlung immer wieder vom Publikum wegzustreben scheint.

Heinz Hauser hat dafür eine so effektvoll-schöne wie sinnbildliche Bühne geliefert. Ein Fadengitter, ein Zeittunnel-Raster, das sich durch Überblendungen zum Aktenlager oder mittels weniger Elemente in ein Theater-Ambiente verwandeln kann. Was so weit geht, dass Emilia Marty nicht „nur“ den glamourösen Sängerstar gibt, sondern sich zur übermenschlichen Ikone stilisiert. Was Spiel ist, was Berechnung, was ehrlich empfunden, was vorgegaukelt, das lässt diese Aufführung offen. Allerdings auch, aber dies wird womöglich bewusst in Kauf genommen, wo Beweg- und Hintergründe der Figuren liegen: Über eine echte „Geschichte“ verfügen die Trabanten des Zentralgestirns Emilia eigentlich nicht.

Susanna von der Burg, eine der Stützen des Innsbrucker Ensembles, kostet dieses Divenhafte genüsslich aus. Anfangs hört man noch ein paar Sparmaßnahmen heraus, doch später gewinnt ihre starke Emilia-Studie an Farben und Raum. Mindestens auf Augenhöhe Bernd Valentin als viril-schönstimmiger Jaroslav Prus, dem Janáček leider den großen Monolog verweigert hat. Überhaupt sind (und das bei diesem kniffligen Stück) einige Solistenfragen hervorragend gelöst, man nehme nur Scott MacAllister als Vítek, Andreas Mattersberger (Dr. Kolenat´y), auch Dale Albright, der den Hauk-Sendorf als gefallenen Bizarr-Clown gibt. Einzig Arnold Bezuyen, vor einiger Zeit Bayreuths Stamm-Loge, ist merkwürdig querbesetzt – nicht die ganze Albert-Partie liegt ihm bequem in der Kehle. Bemerkenswert an dieser Aufführung ist aber noch anderes: Für Janáček, für eine Partitur, die der Stil-Einordnung immer wieder entflutscht und daher in vielerlei Hinsicht „bedient“ werden muss, ist der Innsbrucker Chefdirigent der richtige Mann.

Bei hochtourigem Grundpuls lässt Francesco Angelico das Tiroler Symphonieorchester funkeln und wetterleuchten, sodass man immer wieder von der Bühne abgelenkt ist. Statt feine Farben zu tuschen, trägt der Italiener gern Neon auf. Scharf werden da instrumentale Gesten profiliert, vieles parallelisiert und zusammengeführt, was zunächst nicht zusammenzugehören scheint. Dass manches die Sänger auch symphonisch überfährt, sieht man da dem temperamentvollen Chef gern nach. Heftiger Applaus für ein Innsbrucker Novum – jetzt müssten sich die Stärken der Produktion „nur“ noch herumsprechen.

Nächste Vorstellungen 3., 10., 17. März, auch 8, 13., 17., 24. und 30. April sowie 6. Mai;

Telefon 0043/ 512/ 52 07 44.

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