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Todbringendes Video

- Schummrig ist das Licht, düster sind die Mienen, schwarz die Seele: Selten begann ein Horrorfilm spannender und verheißungsvoller als "Feardotcom" von William Malone. Es regnet in Strömen, als des Nachts der verstörte Medien-Wissenschaftler Polidori (Udo Kier) in einem U-Bahnhof Zuflucht sucht und von einem einfahrenden Zug überrollt wird. Diese Anfangssequenz setzt Malone mit rasanten Schnitten, wirbelnder Kamera und viel Atmosphäre wunderbar ins Bild.

<P>Doch es bleibt leider nicht dabei: Die Optik beeindruckt zwar bis zum Ende dieses Thrillers, aber leider ist die Story doch deutlich den erfolgreichsten Produktionen des Genres entlehnt.</P><P>Purer Horror-Trash</P><P>In New York ereignen sich in rascher Folge vier mysteriöse Todesfälle, Polidori ist einer davon. Der Polizeibeamte Mike Reilly (Stephen Dorff) und die Gerichtsmedizinerin Terry Huston (Natasha McElhone) finden bald heraus, dass alle Opfer 48 Stunden vor ihrem Tod die Internet-Seite "feardotcom" besucht hatten. Bald erkennen die beiden im Selbstversuch, dass man mit dem Einloggen auf der unappetitlichen Voyeur-Website seinen eigenen Tod festsetzt - und innerhalb von zwei Tagen an der größten persönlichen Todesangst stirbt. Zur Klärung des Verbrechens bleiben den beiden Ermittlern nun noch knapp 30 Stunden . . . </P><P>Die Geschichte klingt seltsam vertraut, und dies ist das Problem des Films: das zu offensichtliche Plagiat. Bereits in "The Ring" gibt es das todbringende Video, nach dessen Sichtung das Opfer nur noch drei Tage zu leben hat. Nur hatte das kleine weißblonde Mädchen, das den von Todesangst Gepeinigten erscheint, in "The Ring" schwarze Haare. Der psychopathische Serienkiller Alistair Pratt (Stephen Rea), der auch noch irgendwie in die Handlung eingeflickt wurde, quält seine Opfer wie weiland Hannibal Lecter in "Das Schweigen der Lämmer", und der Dauerregen sowie die schummrig beleuchteten Wohnungen erinnern überdeutlich an David Finchers furiose "Sieben". </P><P>Am Ende, wenn Malone sichtlich mit seinen immer abstruser gewordenen Handlungssträngen kämpft, steht der pure Horror-Trash: Heerscharen von Kakerlaken stürmen ein Yuppie-Loft, und gefesselte, geknebelte nackte Frauen wimmern erbarmungswürdig. Hat man alles schon gesehen. Sogar besser. Und auf einmal kann man es kaum noch fassen, wie überraschend, neu und superb "Feardotcom" gut 90 Minuten zuvor anfing. </P><P>(In München: Marmorhaus, Maxx, Mathäser)</P><P>"Feardotcom"<BR>mit Udo Kier, Stephen Rea<BR>Regie: William Malone<BR>Erträglich </P><P> </P>

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