Todgeweihte in "Tiefland"

- Gegen Leni Riefenstahl, die gestern ihren 100. Geburtstag beging, wird wegen des Verdachts der Holocaust-Leugnung ermittelt. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, sagte der Sprecher der Behörde, Job Tilmann. Er bestätigte damit eine entsprechende Mitteilung des gemeinnützigen Vereins Rom in Köln, der nach eigenen Angaben den "Schutz der Romaflüchtlinge und der deutschen Roma und Sinti" zum Ziel hat. Ein Sprecher Riefenstahls erklärte in Pöcking am Starnberger See zu den Vorwürfen, Riefenstahl habe die ihr zur Last gelegten Äußerungen bereits bedauert und zurückgezogen. Weitere Erklärungen werde sie auf Anraten ihrer Anwälte nicht mehr machen.

<P><BR><BR>Der Verein hatte Strafantrag gegen Riefenstahl gestellt. Die wegen ihrer NS-Propagandafilme umstrittene Regisseurin habe behauptet, sie habe "alle Zigeuner, die in (ihrem Film) ,Tiefland'" mitgewirkt haben, nach Kriegsende wiedergesehen. Keinem einzigen ist etwas passiert". Dies sei ein "infame Lüge", so der Vorwurf des Vereins Rom. Der Strafantrag bezieht sich auf ein Interview Riefenstahls, das im Magazin der "Frankfurter Rundschau" am 27. April erschienen war.<BR><BR>Nach Aussage einer ehemaligen "Zigeuner-Komparsin" des "Tiefland"-Film und Überlebenden des Völkermords habe Riefenstahl Anfang der 40er-Jahre rund 120 Sinti und Roma aus den Lagern Maxglan und Marzahn als Zwangsarbeiter für die Dreharbeiten missbraucht. Die meisten seien in Vernichtungslagern ermordet worden. Wie der Verein Rom mitteilte, habe der zuständige Staatsanwalt per Anordnung verfügt, dass Riefenstahl zu den Vorgängen gehört werde. Dazu gab es von der Staatsanwaltschaft zunächst keine Bestätigung.</P><P> Die ehemalige Komparsin hatte erst vor einer Woche von Riefenstahl eine Unterlassungserklärung erwirkt, nach der die Filmemacherin ihre Behauptungen über den "Tiefland"-Film nicht mehr aufstellen darf. Vertreter des Vereins Rom hatten zudem eine Geste der Wiedergutmachung von Riefenstahl gefordert.<BR><BR>Riefenstahl hatte bereits nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe vor zwei Wochen in einer Stellungnahme die Verfolgung und das Leid bedauert, "das Sinti und Roma während des Nationalsozialismus haben erleiden müssen". Ihr sei "heute bewusst, dass viele von ihnen in Konzentrationslagern umgekommen sind".<BR></P>

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