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Überzeugte im Münchner Herkulessaal: der Tölzer Knabenchor.

Tölzer Knabenchor begeistert Publikum

München - Der Tölzer Knabenchor hat das erfrischend junge Publikum im Münchner Herkulessaal mit dem Weihnachtsoratorium begeistert. Ein paar kleine Schwachstellen beim Auftritt sind kaum der Rede wert.

Das Weihnachtsoratorium im Originalklang ist ja so eine Sache. Oft verbirgt sich hinter der historischen Aufführungspraxis der Versuch, dem von Johann Sebastian Bach gewünschten Klang des Knabenchors mit Sopran und Alt so nahe wie möglich zu kommen. Es gibt nach wie vor nur wenige Ensembles, die das derzeit so beliebte Werk mit den Soli aus eigenen Reihen auf internationalem Niveau stemmen können, die „Tölzer“ gehören dazu.

Der langjährige künstlerische Leiter Gerhard Schmidt-Gaden bot dem erfrischend jungen Publikum im Herkulessaal eine rundum überzeugende Vorstellung des Evangeliums nach Lukas (Kantaten eins bis drei) und Matthäus (Kantate sechs), wobei man sich noch tiefere interpretatorische Kanten und Ecken gewünscht hätte. Manchmal schienen die schwer nachvollziehbaren Ruderbewegungen des Chorleiters nur die Oberfläche der Musik zu bearbeiten – wobei er sich gewiss streng an die Fakten hielt. Mit dem ebenso aufbrausend wie sensibel musizierenden Orchester „L’Arte del Mondo“, das auf wunderbar klingenden historischen Instrumenten spielte, wäre an so mancher Stelle vielleicht mehr Würze drin gewesen. Gleichwohl muss die Continuo-Gruppe besonders hervorgehoben werden: Wie hier bei Rezitativen und Arien reagiert wurde, war schlechthin großartig, stets behutsam sängerfreundlich, musikalisch klug und technisch stupend. So erst kann die Musik ihre Wirkung ausbreiten.

Benjamin Bruns gab einen ausgezeichneten Evangelisten, mit hell timbriertem Tenor, lupenrein in der Höhe und mit klarer Diktion, in der ihm Bassbariton Raimund Nolte in nichts nachstand. Mit dem entschlackten noblen Klang des Knabenchors entstand eine Stimmung, mit der man sich gerne in die Weihnachtstage verabschieden ließ, um dann doch zuzugeben: „Lasset das Zagen, verbannet die Klage,/ stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!“

Johann Jahn

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