Tönendes Prisma

- Mozart lieferte - wie vom Fürsterzbischof gewünscht - zahlreiche kleine, kurze, "Missa brevis et solemnis" genannte Werke für den sonntäglichen Gottesdienst im Salzburger Dom. So auch die in C-Dur KV 257, die "Credo-Messe", die Mariss Jansons im Münchner Gasteig in so forschem Tempo dirigierte, als warte auch auf ihn das erzbischöfliche Sonntags-Menü.

<P>Schon das Kyrie in dieser heiteren Messe klang nicht wie ein Bitt-, sondern wie ein freudiger Ausruf. Und beim Gloria legten Symphonie-Orchester des BR und der fabelhafte, in allen Stimmen fein austarierte BR-Chor noch feurig zu. Er meisterte auch das zentrale Credo in allen Nuancen souverän. Unterstützt von einem anfangs arg sopranlastigen Solistenquartett (Luba Orgonasova, Sopran; Rebecca Martin, Alt; Herbert Lippert, Tenor; Thomas Laske, Bass).<BR><BR>Noch einmal, in Poulencs eigenartigem, äußerst diesseitigem Gloria bewies der Chor seine Qualität, voluminös im Klang, exakt in den zuweilen an Orff erinnernden, deftigen Rhythmen. Luba Orgonasovas zuweilen etwas starr wirkender Sopran entfaltete in den Höhen der langsamen Sätze wie im A-capella-Amen eine beeindruckende instrumentale Klarheit.<BR><BR>Ein weiteres religiöses Werk, Messiaens "Hymne au Saint Sacrament", hatte den Abend eröffnet. Von Jansons in eine trocken-hitzige Ekstase gesteigert oder ins Mystische gerückt und von den Symphonikern brillant gespielt als tönendes Prisma. Weltliche Töne wurden mit Haydns D-Dur-Symphonie ("Die Uhr") angeschlagen, deren vitale Wiedergabe trotz starker Akzente äußerst poliert wirkte. Dank des stets licht und transparent musizierten Satzes leuchtete Haydns kunstvolle motivische Arbeit deutlich auf. Großer Beifall für alle Mitwirkenden samt Chordirektor Michael Gläser.<BR></P>

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