Tokio Hotel starten vor 5000 Fans Deutschlandtour

- Kempten - Sieben Minuten vor Konzertbeginn sind die knapp 5000 Fans in der Kemptener "BigBox" nicht mehr zu halten: "Wir wollen Tokio Hotel, wir wollen Tokio Hotel", rufen die meist sehr jungen Anhänger in Sprechchören.

Um 19.00 Uhr ist es dann so weit. Erst tauchen Scheinwerfer die riesige Bühne in gleißend weißes Licht, dann in rotes bis schließlich eine Stimme aus dem Off verkündet: "Willkommen im Tokio Hotel" - der Rest geht in ohrenbetäubendem Gekreische der überwiegend weiblichen Fans unter.

Wie beim Auftakt ihrer Europa-Tournee "Zimmer 483" vor zehn Tagen in Prag startet die Magdeburger Band auch bei ihrem ersten Deutschlandauftritt mit dem Hit "Übers Ende der Welt". Die Fans stimmen lauthals mit ein und zeigen sich auch bei den übrigen 14 Poprock-Nummer äußerst textsicher - auch wenn die düsteren Zeilen aus den Kehlen von teils gerade einmal sieben Jahre alten Fans etwas befremdlich wirken.

Treibende Kraft der Gruppe ist wie immer der 17 Jahre alte Sänger Bill, der lässig in Jeans und T-Shirt und mit Totenkopf-Halsband geschmückt sein Publikum voll im Griff hat. Jede Geste und Bewegung des Musikers wird nachgeahmt, jeder Aufforderung zum Klatschen oder Winken eifrig nachgekommen. "Ich glaub' ich war noch nie bei einem Konzert so am Schwitzen wie heute", bekennt Bill schließlich und kippt Wasser ins Publikum.

Auch der Sicherheitsdienst betätigt sich als Wasserträger für die verausgabten Fans in den ersten Reihen. Immer wieder verteilen die Ordner aus Plastikkübeln Getränke an die kreischende und tobende Meute. "Das ist echt unfassbar, wie laut ihr sein könnt", ruft Bill. Die tun ihre Begeisterung auch in selbst gebastelten Plakaten mit eindeutigen Aufforderungen kund: "Grins und ich zieh mich aus", heißt es an Gitarrist Tom gerichtet in bunten Buchstaben in einer der vorderen Reihen.

Einziges Manko der solide und stilsicher vorgetragenen Show, bei der auch Hits wie "Schrei" und "Durch den Monsun" nicht fehlen dürfen: Erst beim letzten Lied merkt die Gruppe, dass die Fans auf den oberen Rängen ihre Darbietung sitzend verfolgen. Nach der Aufforderung, doch bitte aufzustehen und richtig mitzumachen, geht auch dort die Post ab. "Ich glaube, das war ein genialer Tourauftakt in Kempten heute", zeigt sich Bill dann auch zufrieden. "Es war geil", "gut, super, einfach toll" und "die sind live noch viel besser" loben die heiseren und erschöpften Teenager ihre Idole.

Nach drei akustisch vorgetragenen Zugaben, die beweisen, dass Tokio Hotel auch ohne elektrische Verstärker überzeugen, ergießt sich ein funkelnder Schnipselregen über die Fans und alles ist vorbei - auch für die 55 Sanitäter und drei Ärzte, die trotz des Hypes einen relativ ruhigen Abend erleben. Rund 90 Mal müssen sie ausrücken und meist Kreislaufschwächen behandeln. "Damit war es eigentlich ein ganz normales Konzert."

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