„Toll, ne?“

München - Barbara Romaner und Friedrich Mücke über ihren Film „Mahler auf der Couch“, das Volkstheater und Sex-Szenen

Regisseur Percy Adlon („Out of Rosenheim“) und Sohn Felix haben drei Schauspieler für den Kinofilm „Mahler auf der Couch“ am Münchner Volkstheater entdeckt: Barbara Romaner (Jahrgang 1978) spielt Alma, Johannes Silberschneider (Jahrgang 1958) Gustav Mahler und Friedrich Mücke (Jahrgang 1981) Almas Geliebten Walter Gropius. Gestern feierte der Film in München Premiere, morgen läuft er in den Kinos an - an Gustav Mahlers 150. Geburtstag.

-Herr Mücke, wie würden Sie Alma Mahler beschreiben?

Mücke: Eine Künstlerin, die sich dem Leben nicht entzogen hat. Eine Frau mit einem schweren Gemüt - aber fähig zur Leidenschaft in der Freude wie in der Trauer. Und ich würde mir gerne mal anhören, wie Almas Stimme geklungen hat...

Romaner: Es gibt eine Aufnahme - aber als die gemacht wurde, war sie schon siebzig...

Mücke: ...Ich fände es schön zu hören, wie sie flirtete.

-Würden Sie Alma ähnlich beschreiben?

Romaner: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, wusste ich, wer Gustav Mahler war. Ich wusste aber überhaupt nichts von Alma. Daher habe ich das Buch auch ganz unbelastet gelesen. Und diese Liebesgeschichte, die hier erzählt wird, habe ich sofort verstanden. Wobei den Regisseuren Percy und Felix Adlon, Kameramann Benedict Neuenfels und mir klar war, dass wir kein umfassendes Bild von Alma zeigen können. Wir haben vielmehr Mosaiksteine, die uns wichtig erschienen, zusammengesetzt. Natürlich entstehen dadurch Leerstellen. Aber so haben wir auch eine gewisse Freiheit erlangt.

-Frau Romaner, wie würden Sie Walter Gropius charakterisieren?

Romaner: Da gibt es eine Schlüsselszene, in der er Alma fragt: „Warum liebst du mich?“ Und sie gibt ihm die wunderbare, schöne Antwort: „Weil du schön bist, dein Körper ist schön, dein Geist ist schön.“ Damit ist eigentlich alles gesagt.

Mücke: Toll, ne?

-Erkennen Sie Ihre Figur darin?

Mücke: Absolut. Das Tolle an meiner Figur ist ja auch, dass es vom jungen Walter Gropius keine Bilder gibt. Die meisten Zuschauer gehen also ins Kino, ohne eine Vorstellung von ihm zu haben.

-Die Szenen zwischen Alma und Gropius sind von einer großen Leidenschaft geprägt. Wie wichtig war es für Sie, dass Sie sich bereits vor den Dreharbeiten durch die Arbeit am Volkstheater kannten?

Romaner: Ich denke, es ist immer gut, wenn man sich kennt. Oder?

Mücke: Bei uns ist das sicher hilfreich gewesen. Aber natürlich gibt es auch Kollegen, die man nicht riechen kann oder nicht anfassen will.

Romaner: Es war mein erster professioneller Drehtag überhaupt, und dann ging es gleich um die Sex-Szene. Da war es natürlich toll, dass Friedrich die Erfahrung von „Friendship!“ hatte und mir erklären konnte, wie es am Set läuft. Und es war gut, mit den Liebesszenen anzufangen. Denn dann war das erledigt.

Mücke: Wir haben viel vorher darüber geredet - auch mit Percy Adlon: „Wie viel wird zu sehen sein? Was willst du hören?“ Es ist doch wichtig, dass man das alles vorher offen fragen kann. Das gibt einem als Schauspieler ein gutes Gefühl. Adlon ist keiner, der sich zurückzieht. Er spricht es von sich aus an. Das macht es einfach.

Romaner: Auch bei mir hat Percy Adlon das Thema Nacktheit von Anfang an offen angesprochen. Für mich war das auch kein Problem, denn die Darstellung hat Würde. Es wird in den Liebesszenen etwas erzählt.

-Mit Johannes Silberschneider und Ihnen sind jetzt auf der Leinwand drei Schauspieler aus der „Schilf“-Inszenierung des Münchner Volkstheaters zu sehen.

Mücke: Percy Adlon hat sich Johannes Silberschneider in „Schilf“ angeschaut und hat dabei auch Barbara gesehen. Fünfzehn Minuten später kam er zu mir: „Wenn sie die Alma macht, machst du den Gropius.“

-Das Volkstheater gilt als Karrieresprungbrett. Inwiefern denken Sie darüber nach?

Romaner: Sobald man als junger Mensch an dieses Haus engagiert wird, denkt man sofort darüber nach, weil das Haus ja in diese Richtung beworben wird. Natürlich wünscht man sich das für einen selbst auch.

-Aber nächste Spielzeit sind Sie noch am Haus?

Romaner: Auf jeden Fall. Ich war auch bei den Dreharbeiten sehr, sehr froh zu wissen, dass ich wieder hierher zurückkomme und dieses berufliche Zuhause habe. Ich habe hier tolle Jahre gehabt, habe aber auch das Gefühl, dass sich gerade ein bisschen was verändert. Ich hab nur keine Ahnung, in welche Richtung.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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