Ein tolles Erlebnis

- Wo sie auftritt, bezaubert sie das Publikum. So auch das Münchner Opernpublikum und unsere Leser, die Diana Damrau in diesem Jahr den Merkur-Theaterpreis zugesprochen haben. Eine Sängerin der Extraklasse. Auch ohne gigantische Vermarktungsmaschinerie hat sich die Günzburgerin an die internationale Spitze gesungen.

Was bedeutet Ihnen ein Preis, den keine Fachjury, sondern ein Publikum vergibt?Damrau: Ich singe für das Publikum. Es kommt in eine Opernaufführung, ein Konzert oder einen Liederabend und möchte von diesem Abend bereichert werden, etwas Bleibendes mitnehmen. Mein Ziel ist es, die Menschen mit meinem Gesang zu berühren, ihnen eine spannende und bewegende Aufführung zu bieten. Daher ist mir das Wichtigste, was das Publikum über mich denkt, was es fühlt, wenn ich singe. Und so empfinde ich diese Auszeichnung natürlich als eine sehr große Ehre.Sie leben in Wien, singen an den großen Opernhäusern der Welt: Fühlen Sie sich noch als Bayerin oder doch schon viel mehr als Weltbürgerin?Damrau: Ich fühle mich als Bayerin, die durch ihren Beruf in die Welt zieht. Aber die Wurzeln sind entscheidend, und diese werde ich auch immer behalten. Ich komme sehr gern zurück in die heimatlichen Gefilde und singe mit großer Freude hier in München.Am 3. Juli geben Sie einen Liederabend: Alban Berg, Alexander Zemlinsky, Gustav Mahler. Nach welchen Kriterien erfolgte die Wahl der Komponisten?Damrau: Ich liebe es, die Programme meiner Liederabende in einen thematischen Rahmen zu stellen, und unter diesem Aspekt wurde auch der Münchner Abend am 3. Juli konzipiert. Das Programm steht unter dem Motto der Jahrhundertwende; alle Werke sind ungefähr in dieser Zeit entstanden. Die Komponisten Berg, Mahler und Zemlinsky kannten sich alle. Ihre Lieder sind Extremstücke, welche die Zerrissenheit und extremen Gefühlszustände ausdrücken - und das in jede Richtung. Denn da ist auch das "Himmlische Leben" aus den "Wunderhorn-Liedern", wo Mahler ganz naiv und positiv ein Kind von seinen paradiesischen Visionen erzählen lässt. Zemlinsky hatte zu diesem Komponisten eine sehr enge Beziehung; man findet in diesem Umkreis also immer wieder Verknüpfungen und Parallelen. Was die "Sieben frühen Lieder" von Alban Berg betrifft, so sind sie das Zeugnis des Beginns einer der wichtigsten Komponistenkarriere der Musikgeschichte. Und schließlich noch Richard Strauss, der einfach zu dieser Stadt gehört und dessen Lieder mir sehr liegen.Opernmäßig sind Sie mit "Rigoletto", der "Entführung" und der "Zauberflöte" bei den Festspielen vertreten. Wie wichtig ist Ihnen die Regie?Damrau: Ich würde wirklich gern einmal die Rolle selbst spielen und singen dürfen - mit den dazu passenden Gefühlen, so wie sie vom Librettisten und Komponisten gewünscht und kreiert wurden. Daran liegt mir sehr viel, und danach sehne ich mich manchmal. Es ist ziemlich schwer, immer wieder das Konzept des Regisseurs der Figur überstülpen zu müssen, sie in einer verfremdeten Umgebung, in einer anderen Zeit oder einer gebrochenen Deutung zu interpretieren.Gibt es Verabredungen mit der Staatsoper nach Peter Jonas?Damrau: Es gibt Pläne, aber dazu kann und darf ich noch nichts sagen.Sie waren bei der Uraufführung der Maazel-Oper in London mit dabei. Wie ist das, eine Partie ganz neu zu kreieren?Damrau: Es ist spannend und aufregend, mit dem Komponisten - dem Schöpfer eines neuen Werkes - zu sprechen und mit ihm die Rolle erarbeiten zu können. Man kreiert quasi den Ur-Charakter der Figur. Das ist schon ein tolles Erlebnis. Wer hätte nicht gern mit Mozart oder Strauss gesprochen und gearbeitet?Sie durchleben gerade eine steile Karriere: Bleibt da noch Zeit fürs Private - den Freund, die Eltern, die Freunde und das Zuhause von früher?Damrau: Mein Leben hat sich natürlich sehr verändert. Es bleibt tatsächlich wenig Zeit für private Unternehmungen. Aber ich lasse meine Wurzeln nicht los. Wenn man eine verständnisvolle Familie und einen stabilen Freundeskreis hat, geht es ganz gut.Bleibt denn noch Zeit, sich neben der Musik auch für anderes zu interessieren?Damrau: In meinem Leben ist alles mit Musik verbunden; und so rangiert sie bei mir natürlich an erster Stelle. Die Natur ist mir wichtig, die Literatur, die Kunst - aber eben auch alles das steht im Zusammenhang mit der Musik. Alles kommt aus der Musik - Musik ist meine Religion.

Das Gespräch führte Sabine Dultz

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