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Von Hip Hop bis Big Band: Zaz begeistert auf dem Tollwood.

Konzertkritik

Zaz auf dem Tollwood: Die Konzert-Kritik

München - Die französische Sängerin Zaz begeisterte am Dienstag auf dem Tollwood 2015 in München. Hier lesen Sie die Konzert-Kritik.

Ob als Straßenmusikerin am Montmatre, in Diensten einer Latin-Rockband aus Bordeaux oder als Interpretin einer Édith-Piaf-Greatest-Hits-Show in Sibirien: Zaz war im Laufe ihrer turbulenten Karriere nie „nur“ Sängerin, sondern immer auch irgendwie Entertainerin. Am Dienstag begeisterte sie auf dem Tollwood.

Insofern war es lediglich eine Frage der Zeit, dass die quirlige Chansonette mit einem großen Show-Album und einer dazugehörigen, entsprechend spektakulären Tour ums Eck kommt.

Niemand geringeres als Produzentenlegende Quincy Jones legte Hand an ihr aktuelles Album „Paris“, auf dem sie berühmte Chansons über die Stadt des Lichts - von Maurice Chevaliers „Paris sera toujours Paris“ bis zu Joe Dassins „Champs-Élysées“ - neuinterpretiert. Dessen glitzernde Live-Umsetzung durften ihre Münchner Fans nun in der rappelvollen Tollwood-Musik-Arena erleben, wo Isabelle Geffroy alias Zaz bereits im vergangenen Jahr für ein ausverkauftes Haus, pardon: Zelt, sorgte.

Stilecht über eine Showtreppe kam sie im schicken Kleid auf die Bühne, die Haare artig zum Zopf gebunden. Den damenhaften Auftritt konterkarierte sie sogleich mit ihren zum Markenzeichen gewordenen Hip-Hop-Gesten und dem ein oder anderen übermütigen Juchzer am Mikrofon vorbei. Abendgarderobe, sogar drei Mal gewechselte, hält ein Kraftwerk wie Zaz eben nicht auf – und so hatte sie ihr Publikum in Minuten um den kleinen Finger gewickelt.

Unterstützt von einer fabelhaften Band und einem männlichen A-Capella-Quartett, die Zaz' Hommage an die musikalischen Größen ihrer Heimat gekonnt und bisweilen unerwartet frech umsetzten, ließ sie goldene Big-Band-Zeiten ebenso aufleben wie Gypsy-Swing, Dixie-gewürzte klassische Chansons und laid back Louisiana-Grooves. Mit ihrem einzigartigen, im Ansatz heiseren, bisweilen sogar brüchigen – aber durch und durch krafterfüllten Organ drückte sie einen eigenen Stempel auf die tausendfach gehörten französischen Klassiker.

Die eigentliche Leistung, nämlich dass ihre eigenen Songs wie „Les Passants“ oder der Über-Hit „Je veux“ auch im klassischen Showband-Gewand Charakter beweisen und sich auch Charles Aznavours „Oublie Loulou“ auf Augenhöhe begegnen, hätte man vor lauter Sechziger-Jahre-Fernsehshow-Flair beinahe übersehen können. Aber eben nur beinahe...

Christoph Ulrich

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