Mit Totaleinsatz

- Sonne, Meer, Heilbäder, Schiffsbau, Seefahrtschule, ukrainisch-orthodoxer Bischofssitz, Potemkin-Treppe - Stichwörter zu Odessa. Diese schöne geschichtsträchtige Stadt am Schwarzen Meer hat natürlich viel mehr vorzuweisen, unter anderem auch die Staatliche Dankevich Ballett Schule.

<P>Nataliya Barysheva, Odessas einstige Primaballerina und jetzt Schul- und Ensemble-Leiterin, hatte seit Jahren den Wunsch eines kulturellen Austauschs. Bereits im Juli 2004 gastierte das Münchner Opus-m von Heinz Manniegel - 18 Jahre prominenter "Bosl"-Pädagoge und -Choreograph - und seiner Frau Laurel Benedict-Manniegel am Russischen Drama Theater in Odessa. Jetzt erfolgt der Gegenbesuch: Unter staatlicher Schirmherrschaft präsentieren die Ukrainer und Opus-m unter dem Titel "Klassik trifft Moderne" einen gemeinsamen Abend im Münchner Gasteig und wegen der Ukraine-starken Gemeinde in Geretsried.</P><P>Auch Wünsche können also Berge versetzen. Der Kontakt ausgerechnet von Odessa-München wurde allerdings vom Zufall gelenkt. Carola von Herder, freischaffende Tänzerin, hat sich nach Modern-Dance-Projekten in Odessa vor fünf Jahren dort fest niedergelassen. "Sie war es, die sich für Barysheva hier nach einem jungen Ensemble umgeschaut hat", berichtet Laurel Benedict-Manniegel. "Wir haben ja vor zwei Jahren Opus-m gegründet. Es konnte schließlich nicht sein, dass 25 Choreographien meines Mannes nur in der Schublade liegen."</P><P>Für die Opus-m-Aufführungen, bisher in Starnberg, Landsberg, Murnau und anderen Orten rund um München, werden freie Tänzer engagiert, auch abkömmliche Mitglieder aus dem Gärtnerplatztheater und dem Staatsballett sowie Abschlussstudenten aus der Ballettschule der Manniegels, beide Fachkräfte. Während Heinz Manniegel die Palucca-Schule in Dresden und die Staatliche Ballettschule Berlin absolvierte, studierte seine Frau, gebürtige Amerikanerin, an der illustren Schule des New York City Ballets. Beide können zurückschauen auf eine breit gefächerte Karriere in Elite-Ensembles wie u. a. der Deutschen Staatsoper Berlin, der Hamburger Staatsoper, dem Holländischen Nationalballett. </P><P>Das Ensemble und der als Stütze gegründete Verein Opus-m e. V., das ist noch einmal ein neuer risikoreicher Berufsabschnitt - der nur mit Totaleinsatz zu nehmen ist. "Als privates Unternehmen zahlen wir alles aus eigener Tasche, unseren Flug nach Odessa zum Beispiel mit 17 Leuten. Jetzt bringen wir Baryshevas 25 Leute hier für eine Woche unter. Die Odessaner haben noch viel weniger. Die können sich weder Flug noch Bahn leisten und reisen vier Tage per Bus an." Ein deutlicher Hinweis darauf, welche Strapazen junge Ukrainer auf sich nehmen, um Verbindung zu dem Teil der Welt zu finden, dem sie sich zugehörig fühlen.</P><P>Austausch heißt auch: vom anderen lernen. In einem angekoppelten Workshop studieren die Odessa-Tänzer eine Heinz-Manniegel-Choreographie ein, die Münchner ein Stück aus dem Odessa-Repertoire. Daraus zu sehen im Carl-Orff-Saal, den die Stadt zu Verfügung stellt: Petipas "Paquita" so wie Fokines "Chopiniana". Dazu von Heinz Manniegel "Es gibt zu denken" und "Hermann". Die Klezmer und Salonmusik aus den 30er-Jahren wird live gespielt.</P><P>München: 19.3.05, 089/ 54 81 81 81; Geretsried, Ratsstubensaal: 23.3.05, 08171/ 62 459.<BR></P>

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