Hoch die Beine: Campino, Sänger der Toten Hosen, wird am 22. Juni 50 Jahre alt – und überzeugt gerade bei Konzerten noch immer mit Stimme und Körpereinsatz. Seine Band gibt es seit nunmehr 30 Jahren. Heute erscheint das neue Album der Düsseldorfer: „Ballast der Republik“ kommt mit der Zusatz-CD „Die Geister, die wir riefen“ in den Handel. foto: dpa

Die Toten Hosen: Musizieren bis die Ärzte kommen

Entweder oder. Entweder die Toten Hosen oder die Ärzte. Fan von beiden Punkrock-Bands zu sein, ging in den vergangenen 30 Jahren ja so gar nicht. Zum Jubiläum bringen sie ein neues Album heraus - fast zeitgleich mit den Ärzten.

Zum 30-jährigen Jubliäum bringen die Toten Hosen - fast zeitglich mit den Ärzten - ihr neues Studioalbum „Ballast der Republik“ heraus. Nein, auf der Zusatz-CD „Die Geister, die wir riefen“ covern sie auch noch „Schrei nach Liebe“, den Gassenhauer der alten Rivalen schlechthin. Damit zollen sie nicht nur den Ärzten allerhöchsten Respekt - die Hosen selbst verdienen diesen.

Dabei bietet das eigentliche Jubiläumsalbum keinerlei großartige Weiterentwicklung. Klar, es ist melodiöser und wieder politischer geworden als die Vorgänger. Auch machen die Musiker - im Gegensatz zu den Ärzten - nicht auf Dauer-Jugendliche. Sänger Campino wird heuer immerhin 50, ist mittlerweile Papa, und so arbeitet er auf der neuen CD mit der schönen Versöhnungsballade „Draußen vor der Tür“ die Beziehung zum eigenen Vater auf.

Natürlich darf eine Hosen-Liebeserklärung auch niemals kitschig sein - und das ist beim neuen traurigen Trinklied „Zwei Drittel Liebe“ nicht anders. Die Masche also ist dieselbe geblieben. Das zeigte zudem die erste Single-Auskopplung mit der Hymne „Tage wie dieser“. Passend zur bevorstehenden Europameisterschaft werden ganz der Tradition entsprechend die Fußballer bedacht. Doch die so typische Portion Rotzigkeit ist in den neuen Liedern selten. Ist die Band gar altersmilde geworden?

Etwas gewagt, etwas Neues ausprobiert haben die Toten Hosen hier jedenfalls nicht. Das wollten sie ihren mitgereiften Fans wohl auch nicht antun. Also musste das bewährte Mittel der Zusatz-CD her. Und bei deren Aufnahme hätte man im Studio tatsächlich gern Mäuschen gespielt. Denn: Wie kam es bloß zu dieser Songauswahl? Mit 15 Cover-Versionen deutscher Gedichte und Lieder huldigen die Düsseldorfer der heimischen Punkrockszene von anno dazumal ebenso wie Fritz Grünbaums abstrusem „Einen großen Nazi hat sie!“.

Endlich, so scheint es, konnten die fünf aufdrehen und durften das Korsett namens Punkrock ablegen. Und prompt wirken sie wie einst, als ihnen nichts heilig war - vor allem nicht ihr eigener Stil. Am meisten überrascht „Schrei nach Liebe“. Eine Hommage an die Ärzte, gewiss. Eine Hommage jedoch, der die Musiker ihren Stempel aufgedrückt haben. Nicht in Hauruck-Manier, aber dennoch spürbar. Ein Friedensangebot à la Hosen also. Und ein schöner Zug.

Von Angelika Mayr

Die Toten Hosen: „Ballast der Republik“. Zusatz-CD: „Die Geister, die wir riefen“ (JKP/ Warner).

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