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Die Toten Hosen waren in München.

Nachtkritik

Vogelwilde Kombi: Tote Hosen und Polt mischen Kammerspiele auf

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Kammerspiele mal anders: Am Mittwochabend mischten die Toten Hosen, die Well-Brüder und Gerhard Polt gemeinsam die Münchner Kammerspiele auf. Eine Kritik.

München - Das Trüffelschwein hat Witterung aufgenommen. Gerhard Polt, in seiner Rolle als durchtriebener Musikmanager Schikaneder, stackselt über die Bühne der Münchner Kammerspiele auf Toten-Hosen-Sänger Campino zu. „Begabt, begabt“, mustert Schikaneder sein neuestes Opfer, das gerade das Mikrofon aus der Hand gegeben hat. Der nächste Edel-Fund für Schikaneders erlesenes Künstlerportfolio nach Karl Moik und Hanni und Fanni. Sofort muss ein Vertrag her für den talentierten Burschen aus Düsseldorf. Für die Band und die drei Well-Brüder daneben am besten gleich dazu. Irgendwer muss ja die Werbemelodie für die Autobahnraststätten-Sanitärfirma einspielen.

Polt? Campino? Die Wells? Ein bunter Haufen, der sich hier in München zur Premiere der gemeinsamen „Im Auge des Trommelfells“-Tour eingefunden hat. Zumindest auf den ersten Blick. Die wohl bekanntesten Altpunks Deutschlands, Stadionrocker und Hymnen-Gröler, neben den Well-Brüdern, den hinterfotzigen Gstanzl-Singern aus dem Biermoos, und deren Weggefährten Polt, dem Schützenkönig des bayerischen Kabaretts. Auf den zweiten Blick haben sich da aber welche gefunden, die seit Jahren gegen dieselben die Stimme erheben. Gegen die Mächtigen und Großkopferten und so manches verrostete Weltbild. In der Vergangenheit griffen sie schon mehrfach gemeinsam zum Instrument. Der Gaudi halber.

Gerhard Polt.

Ein bisschen ungewohnt ist es aber immer noch, wenn die Hosen die Well-Brüder bei ihrer bissigen Hausmusi im „Konzerthallenerwartungsland“ München mit Zither, Hackbrett und einigen Jodlern begleiten. Und wenn die Well-Brüder Stofferl, Michi und Karli den Chart-Hit „Strom“ mit Blasmusik veredeln oder zu Auld Lang Syne den Dudelsack auspacken. Aber das Publikum, vom Lederhosenträger über den Einstecktuch-Dandy bis zum pinkbeschopften Punk, weiß, auf was es sich da eingelassen hat – und feiert die Crossover-Formation vom ersten Ton an. Das letzte Konzertdrittel wird ohnehin nur noch im Stehen verfolgt. Stadionatmosphäre in den Kammerspielen, dem eleganten Hinterzimmer der Maximilianstraße.

Was soll man groß schimpfen über diesen Abend, bei dem musikalisch wie humoristisch wenig abgeht? Gut, schimpfen kann der Bayer immer, das weiß niemand besser als Polt. Den 40-Cent-Rap der Wells oder Karlis Bauchtanz kennen die treuen Anhänger bereits auswendig. Und bei den Toten Hosen juckte so manchen Fan noch der ein oder andere ungespielte Klassiker. Das ist das Dilemma: Während man bei den Toten Hosen auf die Wiederholung des Bewährten hofft und auch zum hundertsten Mal „Hier kommt Alex“ gröhlen kann, giert man im Kabarett ständig nach neuen Garstigkeiten.

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