Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik: So hat 1860 hat entschieden

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Den Toten in die Tonne getreten

München - Ein Neben-Opernhaus? Da heben die Verantwortlichen (gespielt) empört die Hände. Nie und nimmer sei dies beabsichtigt, schließlich gebe es ja Nationaltheater und Gärtnerplatz usw., etc., pp. Seit dem Henze-Projekt vor einem Jahr wird allerdings immer offenkundiger: Die Bayerische Theaterakademie rückt den beiden anderen Häusern auf die Pelle. Aktuell mit "What Next, Gianni Schicchi?", der Verzahnung von Elliott Carters Kurz-Oper mit Giacomo Puccinis Einakter.

Während bei Puccini eine erbsüchtige Bagage zu üblen Tricks greift, müssen sich bei Carter die Opfer eines Unfalls mit dem bevorstehenden Jenseits abfinden - zwei Grotesken zum Thema Tod. Die Koppelung funktioniert als Dramaturgen-Idee wunderbar, hakt allerdings als Live-Erlebnis, was nicht zuletzt an Carters zwar funkelnder, gelegentlich satirischer, aber doch auch erschöpfend redseliger Musiksprache liegt. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer hat zusammen mit Ausstatter Thomas George eine herrliche szenische Klammer gefunden: ein riesiges Krankenbett, das beherzt beklettert werden darf, in dem Gianni den falschen Siechen gibt und das, wenn Carters Schlagzeug vor dem finalen Puccini-Duett losrumpelt, auf halbe Höhe nach oben gefahren wird. Nach 45 Minuten Moderne sackt diese Musik wieder zusammen, bevor sich Puccinis Melos den Raum zurückerobert.

Psychologisch ausgefeilte Figuren sind nicht am Werk. Vielmehr treffen grelle Commedia-Typen aufeinander, die Emotionen lustvoll ausstellen. Gut dosierte Gags, auch makabere Momente (wenn der Tote in die Tonne getreten wird) sorgen dafür, dass man gern schmunzelt und nie Chargen-Alarm ausgelöst wird. Bei Carter erfindet Schmidt-Rahmer zudem ein angemessen schrulliges Personal vom fast nackten Cowboy bis zur turmhoch toupierten Diva.

Schmidt-Rahmer hat mit dem spiellaunigen Ensemble sichtlich genau und intensiv gearbeitet. Erstaunlich dabei, wie sich die jungen Akademie-Sänger in Carters zuweilen kantable, oft aber extrem gezackte Linien hineinfinden. Abstriche gibt es eher bei Puccini, in den die meisten noch hineinwachsen müssen. Anna Borchers (Lauretta/ Rose) lässt vor allem in Carters Extremlagen aufhorchen, Sebastian Campiones Gianni Schicchi kommt, was wohltuend ist, ohne vokales Grimassieren aus. Und dringend merken sollte man sich Bariton Andreas Burkhart (Marco/ Harry) - ein großes Talent.

Ulf Schirmer hält das Münchner Rundfunkorchester im oberen Drehzahlbereich. Seine Deutung hat Zug, Kraft und Kontur, Puccini klingt stets süffig, nie tranig. Eine Warnung daher an Münchens Etablierte: Musikalisch und szenisch ist dies die bislang beste Saisonproduktion.

Weitere Vorstellungen am 27.11., 4. und 9.12., Tel. 089/ 2185-2899.

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