Fit für die Tournee

- Gleich in mehrfacher Hinsicht ist dieser "Tannhäuser" ein Schicksalsprojekt. 1994 lieferte damit Viel-Inszenierer David Alden seine erste Münchner Regie ab, für Zubin Mehta, vier Jahre später zum GMD gekürt, war es die erste hiesige Premiere. Und eigentlich sollte ja Christian Thielemann am Pult stehen. Den konnte man sich damals sogar als Chefdirigenten vorstellen, wegen Zwistigkeiten kam's indes nicht zum Einsatz.

Im Herbst nimmt die Staatsoper die nostalgisch befrachtete Wagner-Produktion mit nach Japan. Ein Repertoire-Durchlauf sollte das Ensemble für die Tournee fit machen, was durch die Absage von Anja Harteros (Elisabeth) etwas durchkreuzt wurde. Doch welcher Ersatz wurde da gefunden!<BR><BR>Die Verpflichtung von Camilla Nylund dürfte eines der wichtigsten München-Debüts der letzten Jahre gewesen sein. Eine Jugendlich-Dramatische aus dem Darstellungs- und Gesangslehrbuch: mit starker, natürlicher Ausstrahlung und mit einem perfekt fokussierten Sopran von jungmädchenhafter Süße, der unforciert aufblühen kann und den zweiten Akt mühelos dominierte. Einen fast ebensolchen Erfolg feierte Martin Gantner. Der ist zwar seit Jahren im Ensemble, wurde aber noch nie an den Wolfram gelassen - eine Fehlentscheidung, wie seine außerordentliche Leistung zeigte. <BR><BR>Den unglücklich Liebenden gab er ganz unsentimental, ganz aus einem liedhaften Duktus entwickelt: Bei solch ungetrübtem Gesang konnte man, keine Selbstverständlichkeit an diesem Abend, jedes Wort mitstenographieren. Warum Gantner weder bei den Festspielen noch auf der Tournee dabei ist, bleibt das Geheimnis der Staatsoper . . .<BR>Waltraud Meier (Venus) und Kurt Moll (Landgraf) bewegten sich auf Haus-angemessenem, hohem Wagner-Niveau, die Stimme von Robert Gambill (Tannhäuser) ist seltsam nachgedunkelt. Gewiss ein faszinierendes Rollenporträt, doch schien es oft, als singe er gegen eine vokale Barriere an. Zubin Mehta pflegte seinen gewohnt sämigen, schlacken- wie eckenlosen Wagner-Sound. Und Alden höchstselbst betrachtete von der Seitenloge sein Werk: ein nach wie vor merkwürdiges Gebräu germanischer Versatzstücke, das wohl kritisch gemeint ist. Gern wird die Musik verdoppelt, manch szenische Ambition läuft schlicht ins Leere: Wie das wohl Tokio findet?<BR>

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