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Kennt alle Höhen und Tiefen – und gibt sich in der Philharmonie (runten) ganz Fan-nah: ­Michelle.

So war das Konzert

Très belle, Michelle! Schlagerstar in der Philharmonie

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München - Dieser Frau verzeiht man fast alles – sogar, dass sie sich beim Bohlen-Unfug „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL als Jurorin verdingt. Das ist kein Ruhmesblatt, doch dafür sammelte Michelle jetzt beim Konzert in der gut besuchten Philharmonie viele Sympathiepunkte.

Selten zuvor ging ein Star so liebevoll mit seinen Fans um. Und selten zuvor wurde der – musikalisch doch recht schlichte – moderne deutsche Schlager so re­spektabel live umgesetzt, mit Top-Band und schicker Bühne. Seit 25 Jahren ist die gebürtige Tanja Hewer als „Michelle“ unterwegs, als Schmerzensfrau des Schlagers, Selbstmordversuch und Jens-Riewa-Affäre („Michelle ist eine Granate im Bett“) inbegriffen. Daran gemessen, macht die gerade 45 gewordene Sängerin bei ihrem Auftritt in München eine fabelhafte Figur. Sie kann über sich selbst lachen und trägt am Ende ein T-Shirt mit der Aufschrift „Cute but psycho“ („Niedlich aber Psycho“). Wer so tief unten war wie sie, weiß, wie man sich zu benehmen hat. Typische Szene: Als sich ein Fan für ein Handyfoto fast auf die Bühne legt, lässt Michelle nicht die Ordner von der Kette, sondern wirft ihm ein Extra-Küsschen zu. Ihre Schlager werden nicht in die Musikgeschichte eingehen – aber Wer Liebe lebt ist hübsch dramatisch, und zu Hits wie Paris lässt sich gut tanzen, am besten nach ein paar Eierlikör. Très belle, Michelle! 

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