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Mut zur Tradition

- Seine Beiträge zum Mozart-Jahr beschränken sich auf Aufführungen des Requiems in München und Wien. "Das reicht doch, den Rest überlasse ich den Kollegen", sagt Christian Thielemann. Mozarts spätes Opus, das in München für eine CD mitgeschnitten wird, koppelt Thielemann mit Alban Bergs "Frühen Liedern" und "Tallis" von Peter Ruzicka (Samstag, Sonntag und Montag im Gasteig). Was den GMD der Philharmoniker, der heuer auch den Bayreuther "Ring des Nibelungen" dirigieren wird, gleich auf grundsätzliche Gedanken zum Konzertrepertoire bringt.

Thielemann und Mozart-Requiem, da sagen manche: Das passt gar nicht zu ihm. Liegt das an den Leuten? Oder an Ihnen?

Thielemann: Das liegt an den Leuten. Ich habe ja in meiner früheren Kapellmeisterzeit einen Haufen Mozart dirigiert. Ich versuche, einen Weg zwischen dem "normalen" und dem Mozart in angeblich authentischer Aufführungspraxis zu gehen. Mir wirkt da manches zu bearbeitet: da noch 'nen Schweller, da noch 'ne Kleinigkeit. Auf der anderen Seite will ich von solchen Erkenntnissen profitieren. Ich werde in München auch Bach dirigieren. Es muss ja doch einen anderen Weg geben - und nicht nur den ohne Vibrato. Furchtbar. Das klingt oft wie ein Schulorchester in der ersten Probe. Außerdem: Auch eine große Besetzung wie jetzt beim Requiem kann traumhaft leise und durchsichtig spielen.

Aber die Zeit der Dogmatik ist doch vorüber.

Thielemann: Schon. Es ebbt ab. Wenn Haydn und Mozart nur noch Spezialisten vorbehalten sein sollte, fällt doch für ein Orchester wie unseres ein ganzes Repertoire flach.

Erfährt man etwas über die Person Mozart durch das Requiem?

Thielemann: Weiß nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn überhaupt hätte kennen lernen wollen. Der saß wahrscheinlich im Kaffeehaus, und die Musik ist aus ihm rausgeflossen. Der hatte alles erschreckend parat. Und er war sich wohl überhaupt nicht im Klaren darüber, wie talentiert er war. Ich hätte gern mit Beethoven einmal gesprochen, weil der an seinen Stücken so viel rumgefummelt hat. Aber im Grunde ist doch das alles unwichtig. Ich lese auch ungern Musiker-Biografien. Mir geht's da schlicht um die Musik. Und ob Mozart oder Bach: Ich nehme das ganz gelassen. Schließlich gehöre ich im Grunde zu den Wagner-Verrückten.

Die Repertoire-Schublade ist Ihnen also egal, Hauptsache es lebt sich gut darin.

Thielemann: Ich folge eben meinem inneren Trieb. Wenn manche behaupten, mein Repertoire sei zu eng, dann kümmert's mich nicht mehr. Aus dem Alter für solche Diskussionen bin ich raus.

Deutschromantisches: Ist dies das Rezept der Philharmoniker, um das Publikum zu binden?

Thielemann: Wenn Sie ein zu verkopftes Repertoire bieten, kommt doch keiner mehr. Zuhörer erziehen wollen, das war einmal. Wir dürfen nicht vergessen, dass viele kommen, um die bekannten Stücke zu hören. Und wir bieten doch jetzt beides: Mozart und davor Berg und Ruzicka. Nächste Saison spielen wir ein Auftragswerk von Siegfried Matthus.

Harnoncourt sagt, in zehn, fünfzehn Jahren ist das klassische Abo-System kaputt. Da gibt es keine normalen Symphoniekonzerte mehr.

Thielemann: Glaube ich nicht. Wir müssen die Leute einfach wieder fürs Kernrepertoire begeistern. Je mehr Sie Schuberts große C-Dur-Symphonie und Beethovens Fünfte spielen, desto mehr werden die Leute auch kommen. "Ta, ta, ta, taaa", das kennt doch jeder Schüler. Dann hört er das Stück ganz - und findet womöglich Beethoven toll! Eine gewisse Form des Intellektualistischen, auch wenn sie gut gemeint war, hat die Menschen aus den Sälen getrieben.

Gerade die Fünfte ist ein Opfer ihrer Popularität geworden - sie wird kaum gespielt.

Thielemann: Mittlerweile traut sich ja keiner mehr an ein traditionelles Programm. Fragen Sie mal herum, wie viele junge Musiker noch keine Erste von Brahms gespielt haben. Wer dirigiert denn noch die Folge Ouvertüre-Konzert-Symphonie? Ich zum Beispiel, und prompt haben wir 3500 Abonnenten mehr. Um einen Dirigenten zu beurteilen, mag ich von ihm ein stockkonservatives Beethoven-Programm hören. Schon nach den ersten Takten einer "Coriolan"-Ouvertüre weiß ich Bescheid. Nach einem Werk von Turnage aber nicht. Und nach Messiaen weiß ich nur, ob der Kollege organisieren kann. Und nach Strawinskys "Feuervogel" weiß ich nur, ob er Temperament hat.

Und wie steht's um Ihre Opern-Aktivitäten? Beschränken Sie sich in den nächsten Jahren auf den Bayreuther "Ring"?

Thielemann: Das wäre ja auch genug. Trotzdem: In Wien gibt's im nächsten Januar "Meistersinger". Und mit den Münchner Philharmonikern mache ich bald Oper im Festspielhaus Baden-Baden. Zweimal Strauss und einmal Wagner, dieselben Stücke wahrscheinlich auch konzertant in München. Ansonsten bin ich von Oper kuriert. "Arabella" in der Tiefgarage? Darauf habe ich keine Lust.

Das heißt, auf den Bayreuther "Ring" nehmen Sie starken Einfluss.

Thielemann: Ich kann natürlich nicht Regie führen, aber ich habe um Dinge gebeten, die hoffentlich befolgt werden. Etwa dass man die Vorhänge einhält und die Zwischenspiele nicht vertanzt. Wir wollen positiv sein und nicht provozieren. Sie werden einen Brünnhilden-Felsen sehen. Und keinen Schlachthof, wo die Schweinehälften runterhängen.

Das Gespräch führte Markus Thiel

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