Tränen der Rührung

- Den Orchestermusikern an der frisch renovierten Scala sind Tränen der Rührung in die Augen getreten. Voll und makellos stiegen die Töne empor, harmonisch, ohne die geringste Verzerrung hat sich der Klang entfaltet. Einfach wunderbar, selbst der Maestro sei bei der ersten Probe überwältigt gewesen, wird erzählt. "Perfekte Akustik, fantastisch" - so schwärmerisch ist Riccardo Muti selten. Heute, wenn das Mailänder Opernhaus - errichtet an der Stelle der Kirche St. Maria alla Scala - nach über zweijähriger Renovierung wieder öffnet, wird die Musikwelt es erfahren: Ist die neue Scala noch besser als die alte?

<P>Mit ihrer goldenen Pracht, den hohen Logenreihen und der großen Geschichte ist die Scala der Stolz des ganzen Landes, die feierliche Wiedereröffnung eine nationale Angelegenheit ersten Ranges. Gespielt wird denn auch "L'Europa riconosciuta" von Antonio Salieri. Die Bayerin Diana Damrau singt die Titelrolle. Das ist eine Oper, die bisher in Mailand nur ein einziges Mal aufgeführt wurde. Und zwar am 3. August 1778 - zur Eröffnung des Teatro della Scala.<BR><BR>"Es ist ein Gefühl, als kehre ich in mein Haus zurück, das noch prächtiger geworden ist als zuvor." Soweit die Gefühlswallungen Mutis. Von außen gesehen wirkt die Front der Scala bescheiden wie immer - äußere Ausstrahlung hat dem Haus stets gefehlt. Jetzt hat der der Schweizer Architekt Mario Botta dem Haus noch einen leicht futuristischen Baukörper von der Form einer Ellipse hinzugefügt, für die Verwaltung der Oper - und damit auch für Verwirrung gesorgt.<BR><BR>Bei der Gestaltung im Inneren dürfte es kaum Kontroversen geben: Es erstrahlt der alte Glanz, und er strahlt so blendend und hell wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Die Renovierung, die erste in der Geschichte des Hauses, war überfällig. An den Wänden fraß der Schimmel, die Sicherheitsstandards raubten den Verantwortlichen den Schlaf - und die Akustik war viel schlechter als ihr Ruf. Denn als das Teatro nach dem Zweiten Weltkrieg eiligst wieder hergerichtet wurde, hatte man schwere Bausünden in Kauf genommen. Die hat der renommierte Akustik-Spezialist Higni Arau mit einem neuen Fundament aus diversen Materialschichten nun behoben. Zudem wurde der Klang-schluckende Teppich im Parkett durch Eichenholz ersetzt - die Folge ist ein ganz neuer Ohrenschmaus. Ansonsten gibt's Neues und Altes im Parkett: Die Sitze (insgesamt gut 2000, früher waren es nur 1500) sind zwar weiter mit rotem Stoff überzogen, an ihrer Rückseite kann jeder Zuschauer auf einem Display das Opernlibretto in mehreren Sprachen lesen. Neben dem schönen Klang ist die Bühne ein Highlight: 1650 Quadratmeter groß, der Bühnenturm ist 38 Meter hoch. Die neue Technik erlaubt es, dass in der Scala künftig drei Inszenierungen parallel eingeübt werden können. Zur allgemeinen Überraschung liegen sogar die Kosten mit 61 Millionen Euro lediglich um zehn Prozent über dem Plansoll. Peer Meinert<BR></P><P><BR> </P>

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