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Tragische Liebe unter Sternenlicht

- Essen - Das moderne "Aida"-Musical von Popstar Elton John und Tim Rice hat am Sonntag in Essen eine glanzvolle Deutschlandpremiere gefeiert. Die aufwendige Inszenierung zeichnete sich durch prachtvolle Kostüme, magische Lichteffekte, ein hohes Tempo der 48 Szenen und eine überzeugende Dramaturgie aus, die sich weitgehend auf die tragische Liebe von Aida uns Radames beschränkte.

Die Musik von Elton John ließ Gospels, Soul- und Reggae-Klänge einfließen, Verdi-Zitate fehlten völlig. Fans des britischen Musikers werden allerdings vergeblich nach dem typischen Sound seiner zahlreichen Hits suchen. <P>Die Bühne im Essener Colosseum ist schwarz bis auf eine Pyramide aus Licht unter hunderten Sternen. Aus dem Dunkel erscheinen Aida, Radames und Amneris. Die Licht-Pyramide steht für eine wegen der Umstände von vorneherein zum Scheitern verurteilte Dreiecks-Beziehung im alten Ägypten. Sie steht aber auch für ein modernes Musical-Konzept, das mit Musical-Seh-Gewohnheiten bricht und das mit Erfolg. Auf allzu opulente, ablenkende Bühnenbilder wird verzichtet.</P><P>Giuseppe Verdi vertonte das Schicksal der versklavten Nubier-Prinzessin Aida im Jahr 1871 und schuf damit eine der bis heute populärsten Opern, die als Mega-Spektakel riesige Hallen füllt. Das Musical indes, das seit März 2000 erfolgreich am New Yorker Broadway läuft und dort vier Tonys gewann (einen für die Musik von Elton John), ist nun in der von Michael Kunze übersetzten Version erstmals auf Deutsch zu hören. Die amerikanische Vorlage stammt von Tim Rice.</P><P>Die Inszenierung arbeitet vor allem mit Lichteffekten, Requisiten gibt es wenige. Fast 900 Scheinwerfer, 215 Farbwechsler und sechs Nebelmaschinen hat die Hamburger Produktionsfirma Stage Holding eingesetzt. Zehn Millionen Euro soll der Produktionsaufbau gekostet haben; die 41 Darsteller benötigen 350 Paar Schuhe und 340 maßgeschneiderte Kostüme. Und doch wirkt die dritte nach Deutschland importierte Disney-Produktion (nach "Der König der Löwen" und "Der Glöckner von Notre Dame") angenehm puristisch. Natasha Katz wurde für das Lichtdesign preisgekrönt.</P><P>Großartig als Aida agiert die Hauptdarstellerin Florence Kasumba. Die 26-Jährige aus Uganda ist in Essen aufgewachsen und hat ein Heimspiel in der denkmalgeschützten ehemaligen Krupp-Fabrikhalle. Sie gibt die nubische Prinzessin Aida, die in Ägypten nur für eine Sklavin gehalten wird, mit intensiver Körperspannung. Ihre stolzen Augen funkeln bis in die hintersten Publikumsreihen. Ihr stets erhobenes Haupt und ihr ungebrochener Wille lassen den ägyptischen Heeresführer Radames sofort ahnen, dass es sich bei Aida um keine gewöhnliche Sklavin handelt.</P><P>Er schenkt Aida seiner Verlobten, der Pharaonentochter Amneris (Maricel), eine eitle Zicke, die ihren Sinn für Stil als ihre größte Gabe besingt. Doch als Amneris erkennt, dass Radames die Sklavin liebt und für sie sogar auf den Thron verzichtet, beweist sie Größe und lässt den Hochverräter, dessen Tod unabänderlich ist, gemeinsam mit Aida lebendig begraben. Zwischen den beiden starken Frauen mit ihrer enormen Bühnenpräsenz wirkt Mathias Edenborn als Radames fast zwangsläufig blass.</P><P>Mindestens ein Jahr lang soll "Aida" in Essen laufen. Mehr als 100 000 Karten sind bereits verkauft. Eine Zahl, die nach dem werbewirksamen Auftritt des Ensembles bei der ZDF-Show  "Wetten, dass...?" am Samstag noch steigen dürfte.</P>

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